November 2005
 

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Ein Ausflug in die Kulturstadt Weimar

von Brigitte Bräutigam


Die Teilnehmer des Literaturkreises der Melanchthon-Kirchengemeinde nahmen Schillers Todesjahr zum Anlass für eine Fahrt nach Weimar.

Zeitig am Morgen des 1. Oktober ging es los mit unserem bewährten Reiseunternehmen Wetzel, diesmal mit dem Fahrer Axel. Dem Wetterbericht nach sollte es ein Tag mit viel Regen werden; trotzdem begaben wir uns frohgelaunt auf die Fahrt.

Gegen 11.30 Uhr erreichten wir Weimar und wurden von der Stadtführerin zu einem sehr interessanten Rundgang erwartet.

Der begann auf dem Theaterplatz vor dem National-Theater. Hier tagte die Weimarer Nationalversammlung und rief 1919 die Weimarer Verfassung aus, das erste demokratische Grundgesetz für die Deutschen.
Das Theater steht dort seit 1857. Nach vielen Umbauten wurde es im Bombenhagel 1945 weitgehend zerstört. Durch Wiederaufbau und Modernisierungen entstand 1948 der heutige Bau.
Davor steht das berühmte Doppelstandbild der beiden Geistesgrößen Schiller und Goethe. Es gilt als das bekannteste in der Bildhauerkunst, geschaffen von Ernst Rieschel.
Gegenüber das Bauhaus-Museum. Es war von dem Baumeister Condray errichtet worden; ursprünglich als Asservatenhaus des Theaters. Heute wird es als Kunsthalle genutzt.
Daneben liegt das Wittumspalais. Hier befand sich der Wohnsitz der Herzogin-Mutter Anna-Amalia. Bereits mit 36 Jahren gab sie ihre 17jährige Regentschaft auf und setzte ihren erst 18jährigen Sohn Carl-August in alle Geschäfte ein. Sie hatte nun Zeit ein neues Haus zu gestalten.
Wöchentlich traf sich hier zur „Tafelrunde“ alles, was Rang und Namen hatte. Gleichzeitig richtete Goethe die „Freitagsgesellschaft“ aus.
Das kleine Fürstentum Sachsen-Weimar-Eisenach mit der Hauptstadt Weimar zählte in diesen Zeiten um 100 000 Einwohner; Weimar etwa 6000.
Hierher in die kleine Stadt an der Ilm fanden in der folgenden Zeit große Künstler und Talente ihren Weg: Goethe, Schiller, Herder, Liszt, Bach, Gropius, Zeiss …

Über den Zeughof ging es weiter und wir gelangten zur Stadtkirche Peter und Paul, auch Herderkirche genannt.
Sie stammt bereits aus dem 15.Jahrhundert. Das berühmte dreiteilige Altarbild von Lucas Cranach dem Älteren wurde nach dessen Tod von seinem Sohn vollendet. Im Mittelpunkt ist der gekreuzigte Christus zu sehen. Das Thema ist die „Erlösung des Menschen allein durch den Glauben“.
Der jüngere Cranach fügte neben seinem Vater auch Luther und Johannes den Täufer mit ein. Der Dichter Johann Gottfried Herder, 1744 in Mohrungen Ostpreußen geboren und 1803 in Weimar gestorben, studierte Theologie unter dem Einfluss Kants. Er predigte hier in der Stadtkirche viele Jahre als Generalsuperintendent, nachdem Goethe ihn nach Weimar geholt hatte. Vor der Kirche steht sein Denkmal.

Weiter gingen wir zum Residenz-Schloß.
Es ist eine Vier-Flügel-Anlage und befindet sich auf dem Gelände einer alten Wasserburg. Der Schlossturm ist der älteste Teil der Anlage. Immer wieder wurde das Schloss in den folgenden Jahren durch Feuer zerstört. 1774 wirkte Goethe beim Wideraufbau als Berater mit.
Sammlungen von berühmten Bildern, Graphiken, Münzen und Kunsthandwerk sind hier untergebracht.
Auf dem „Platz der Demokratie“ entstand nach einem Brand 1761 die „Herzogin Anna-Amalia-Bibliothek“. Der Bibliothekssaal war eine weltweit bekannte Sehenswürdigkeit. Kostbarste Handschriften, Erstdrucke, mittelalterliche Buchkunst waren dort untergebracht. Goethe leitete mehr als dreißig Jahre diese Sammlungen. Am 2.September 2004 brach ein großes Feuer in dem Gebäude aus und vernichtete fast vollständig das Unesco Welterbe. 50.000 Bände wurden total vernichtet. 62.000 Bände und Gemälde wurden durch Feuer und Wasser stark beschädigt. Die Restaurationsarbeiten werden viele Jahre in Anspruch nehmen. Das Gebäude muß nach umfangreicher Trocknung von Grund auf saniert werden. Unter der Schirmherrschaft des Bundespräsidenten läuft eine Spendenaktion. 2007, dem 200.Todesjahr von Anna-Amalia, sollen die wiederhergestellten Räume der Öffentlichkeit erneut zugänglich gemacht werden.
Vor der Herzogin Anna-Amalia-Bibliothek steht das Reiterdenkmal von Carl August.

Nun gingen wir weiter, immer noch –oder schon wieder?- bei strömendem Regen in den Park an der Ilm. Von hier aus sahen wir hinüber zu Goethes Gartenhaus. Goethe bekam es 1776 vom Herzog geschenkt. Hier entzog er sich des turbulenten Hoflebens und schrieb einige seiner Dramen. Das keine Flüsschen Ilm inmitten herrlichen frischen Grüns beflügelte ihn immer aufs Neue. Hier trafen wir auch einen Gingko-Baum an. Diese Baumart kommt aus Asien, hat graugrüne, in der Mitte tief eingeschnittene Blätter. Der Baum steht in China für Ying und Yang.

Nun wandten wir uns wieder dem inneren Stadtkern zu: Vorbei am Haus der Frau von Stein. Charlotte war viele Jahre hindurch Goethes enge Freundin. Obwohl sie gut verheiratet war und sieben Kinder hatte, fühlte sie sich von Ihrem Ehemann, einem herzoglichen Stallmeister, vernachlässigt.

Weiter ging es zum nahe gelegenen Goethe-Haus am Frauenplan, dem geistigen Zentrum der Stadt. Hier lebte und arbeitete Goethe über 50 Jahre. Ursprünglich hatte Herzog Carl-August es als Handelshaus gekauft, schenkte es aber später Goethe. Nach mehreren Um- und Ausbauten ist in diesen Räumen auch die Weimarer Klassik bis 1832 dargestellt. Es ist das meistbesuchte literatur-historische Museum.

Auf dem Marktplatz stehen die beiden schönsten Renaissance-Häuser der Stadt: das Stadthaus und das Cranach-Haus. Das Stadthaus war als Rats- und Handelshaus erbaut worden. Das Cranach-Haus, erbaut 1549, war das Wohnhaus von Lukas Cranach.
Dort steht auch das Rathaus von 1837 im neugotischen Stil. Im Turm erklingt ein Glockenspiel aus Meißner Porzellan.
Im Hotel „Elefant“ stiegen schon zu Goethes Zeiten viele prominente Gäste ab. Nebenan in der ältesten Gaststätte der Stadt „Zum schwarzen Bären“ wurden wir zum Mittagessen erwartet.

Angefüllt mit vielen neuen Eindrücken, hungrig, pudelnass und mit lahmen Füssen kehrten wir dort ein.
Nach einer Pause, die jeder für sich nutzte, folgte dann die Besichtigung von Schillers Wohnhaus.

Schiller heiratete 1790 Charlotte von Lengefeld und zog 1799 mit seiner Familie nach Weimar.
Zunächst wohnte er mit Frau und vier Kindern zur Miete. 1802 kaufte er das Haus an der alten Esplanade, heute Schillerstraße. Erst 1804, ein Jahr vor seinem Tode war es abbezahlt. Er empfand das einfache Bürgerhaus für sich als ruhigen und bequemen Wohnsitz.
In leuchtendem Gelb hebt es sich heute von den höheren und eleganteren Gebäuden in der Straße ab. Seitenflügel und Museumsanbau entstanden erst später. Nach Schillers Tod bewahrte Charlotte das Haus als Schillers heiliges Andenken. Sie liebte es sehr. Erst nach ihrem Tode wurde es mit Möbeln, Hausrat und Kunstgegenständen verkauft. Heute bietet es auch einen Eindruck von Wohn- und Arbeitsbereichen jener Zeit.
Im Untergeschoss befinden sich Küche, Dienerzimmer und Wirtschafträume; ebenso ein Raum für wechselnde Ausstellungen. Das 1.Obergeschoss zeigt die Wohnräume der Familie.
In der 2.Etage liegen weitere Wohnräume und das Arbeitszimmer Schillers. Hier steht auch sein berühmter Schreibtisch. Der Dichter nutzte die Schublade als Vorratskammer für Äpfel, auch angebissene. So lag immer ein leichter modriger Geruch über dem Raum.
Schiller starb am 09.Mai 1805. Er arbeitete zuletzt an dem Drama „Demetrius“. Ein Blatt mit seiner Handschrift liegt heute noch an seinem Arbeitsplatz.

Mit diesen Eindrücken gingen wir zum Bus zurück und verließen Weimar in Richtung Apolda. Dort legten wir eine kurze Kaffeepause ein, um danach nach Berlin zurückzukehren. Gegen 22.00Uhr erreichten wir wieder unseren Melanchthon-Platz.

Ein langer, eindrucksvoller Tag war zu Ende.

Wir danken allen, die an der Vorbereitung und Ausführung dieser Fahrt an den „Wallfahrtsort des Geistes“ beteiligt waren. Insbesondere Herrn Dr.Detering für seine vorbereitenden Literaturabende, Herrn Tauchert für die Verbindung zur Firma Wetzel, dem Fahrer Axel, der uns sicher durch den Straßenverkehr gelenkt hat, Frau Keil und Frau Heidfeld für ihren aufklärenden Vortrag von Herrn Schaller über Herrn Schiller.
 

 

 
 

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