November 2005
 
 
Start Veranstaltungen Aktuelles Besinnung Jugend Musik Geschichte Kontakt


Martin Luther - sein Leben und Werk


Von Brigitte Bräutigam

Unter diesem Thema findet sich im September/Oktober diesen Jahres der Literatur-Kreis der Melanchthon-Gemeinde zusammen.

Nach einer filmischen Einführung fand am 6. September eine gemeinsame Tagesfahrt nach Wittenberg statt. Hier lebte und arbeitete Luther viele Jahre seines Lebens.

Wir trafen uns, wie schon zu den vorherigen Fahrten, an der Kirche und starteten pünktlich um 8.30 Uhr nach Wittenberg. Wieder fuhren wir mit dem uns bereits bekannten Fahrer Manfred vom Busunternehmen Wetzel.

Die abgeernteten Felder neben der Autobahn lagen im hellen Sonnenlicht. Ab und zu kamen wir an einem See, gesäumt von Wäldern, vorbei. Pfarrer Dr. Detering verkürzte uns die Fahrt mit Luther-Zitaten und Weisheiten.

Bei der Abfahrt Neusedin erreichten wir die A2 und kamen so gegen 10.30 Uhr in Wittenberg an. Dort erwartete uns eine junge Stadtführerin, so daß wir gleich mit der Führung beginnen konnten.

Vor uns erhob sich der gewaltige 88 Meter hohe Turm der Schlosskirche mit dem weithin zu lesenden Luther-Zitat „Ein feste Burg ist unser Gott“. Der Turm ist der älteste noch erhaltene Teil des Schlosses. In verschiedenen Kriegen wurde er teilweise als Geschütz-Plattform genutzt. Die Schießscharten verdeutlichen dies noch sichtbar. Später veränderte man den Turm durch Aufsetzen von  Spitzkuppeln.

Das Schloß selbst war ursprünglich im 11. und 12. Jahrhundert worden von  den Askaniern und Wettinern wieder umgebaut. Im 19. Jahrhundert begann der Umbau zu einer preußischen Zitadelle. Dazu wurde ein Graben um den gesamten Gebäude-Komplex gezogen.

Seit 1918 wurde das Schloß als Kaserne genutzt.

Die Schlosskirche mit der bronzenen Thesentür zählt heute zu den Hauptanziehungspunkten in Wittenberg.

Der imposante Turm ist das Wahrzeichen der Stadt.

Wir betraten die Schlosskirche durch die Seitentür und gelangten in den ehemaligern Nordflügel des Schlosses. 1503 wurde dieser als Kirche „Allerheiligen“ geweiht. Die Ausstattung war überaus prachtvoll. Unter den Werken deutscher, niederländischer und italienischer Meister ragte der wahrscheinlich 1515-1520 entstandene Hauptaltar von Lucas Cranach heraus. Auch Nebenaltäre z.B. von A. Dürer waren vorhanden. Durch den Lauf der Zeit aber verschwanden viele Kostbarkeiten.

Von 1507 an befand sich hier für 300 Jahre die Universitätskirche. Heute sehen wir nach Betreten der einschiffigen Hallenkirche zuerst drei Ölgemälde unbekannter Meister des 18. Jahrhunderts. Sie zeigen die beiden berühmten Universitäts-Professoren Martin Luther und Philipp Melanchthon und ein paar Schritte weiter das von Johann Hinrich Wichern. Unter der Kanzel befindet sich in der Gruft der Sarg Luthers. Er war 1546 in seiner Geburtsstadt Eisleben verstorben und hier beigesetzt. Eine schlichte Bronzeplatte weist in lateinischer Sprache darauf hin. An der Wand ist ebenfalls eine Bronzeplatte angebracht, auf der Luther mit seiner Bibel und dem Familienwappen, der Rose zu sehen ist.

Auf der anderen Seite liegt sein Freund und Mitarbeiter, der Gelehrte Philipp Melanchthon. Auch hier deutet eine Bronzeplatte darauf hin. Melanchthon war 1560 gestorben.

An der linken Wand des Altarraumes steht das Denkmal Friedrich d. Weisen. Es ist aus Bronze gegossen von Peter Vischer aus Nürnberg. Nach diesem Vorbild schuf er einige Jahre später das gegenüberstehende Denkmal des Kurfürsten Johannes d. Beständigen. Zu beiden Seiten des Altars knien zwei Ritter aus Marmor. Die Altarfiguren stellen Christus mit Petrus und Paulus dar.

Der neugotische Altar und das Chorgestühl wurden von Wittenberger und Berliner Bildhauern geschaffen. Die Orgel hat 3.500 Pfeifen und wurde erst 1994 restauriert.

Friedrich Schinkel gestaltete 1832 das schwere bronzene Taufbecken.

Von den hohen Sandstein-Pfeilern stehen Standbilder von bedeutenden Wittenberger Reformatoren. An den Emporen sind Medaillons von Gelehrten und Künstlern der Zeit angebracht. Ebenso die Wappen der reformierten Fürsten und Adligen. Die farbigen Glasfenster zeigen Darstellungen  aus der biblischen Geschichte.

Nach der Besichtigung gingen wir weiter zur Thesentür. Hier hat Luther „aus Liebe zur Wahrheit und dem Wunsch, sie an den Tag zu bringen...“ – der Überlieferung nach – am 31.10.1517 seine 95 Thesen an das „Schwarze Brett“ der Universität geschlagen. Die originale Holztür wurde bereits 1760 durch eine Bronzetür ersetzt.

Luthers Angriff auf die katholische Kirche mit ihrem Ablaßhandel griff tief in geltendes Recht ein und unterband dadurch eine wesentliche Einnahmequelle der katholischen Kirche.

Denn: „Für gegangene Sünden muss der Mensch wahre Reue empfinden. Nur dann kann er auf vollständige Vergebung von Strafen und Schuld hoffen, auch ohne Ablassbriefe.“

Ein Bild im Bogen über der Tür zeigt den gekreuzigten Jesus. Links daneben kniet Luther mit einer deutschen Bibel in der Hand, rechts Melanchthon mit einer Ausgabe der Augsburger Konfession. Der Hintergrund zeigt das Stadtbild von Wittenberg.

Nun ging es weiter die Schloßstrasse entlang. Vorbei an schön restaurierten Häusern.

Durch Tafeln über den Haustüren erfährt man, welche prominenten Menschen hier in früheren Zeiten übernachtet haben. So besuchten z.B. Carl XII. von Schweden als auch Zar Peter der Große Wittenberg.

Unser nächstes Ziel war der Cranach-Hof. Beide, Vater und Sohn, haben über viele Jahre in Wittenberg gelebt und gearbeitet. Heute, im Cranach-Jahr, sind Kunstausstellungen und Künstler-Werkstätten zu besichtigen. Im Cranach-Hof ist eine Malschule schon seit Cranachs Zeiten beheimatet. Bei Interesse kann man hier Malunterricht nehmen und auch gleichzeitig auf dem Gelände wohnen. Lucas Cranach d.Ä. hat seine Gemälde mit einer gekrönten Schlange mit Fledermausflügeln signiert.

Nun ziehen wir weiter die Collegienstraße entlang und gelangen auf den Markt. Hier fällt sofort das neugestaltete Renaissance-Rathaus ins Auge. Davor stehen Standbilder von Luther und Melanchthon. Werke von Joh. Gottfried Schadow und Karl Friedrich Schinkel.

Weiter ging es über historisches Kopfsteinpflaster zum Kirchplatz mit der Stadtkirche St. Marien. Sie steht auf dem höchsten zentralen Platz. Von hieraus entwickelte sich die Stadt.

Die Kirche St. Marien war Luthers bevorzugte Predigtkirche.

Die Kanzel, auf der Luther gepredigt hat, ist bei einer Neugestaltung des Innenraumes im Jahre 1811 entfernt worden. Sie befindet sich heute im Luther-Haus. Ihr Standpunkt war gegenüber der heutigen Kanzel.

Aus der Zeit von 1512-1546 sind über 2.000 Predigten Luthers überliefert.

Betritt man die Kirche, so fällt sofort der Blick auf den großen Altar mit den vier Bildtafeln. Hieran haben Lucas Cranach, Vater und Sohn gearbeitet.

Die Mitteltafel zeigt das Abendmahl Jesu im Kreise seiner Jünger. Der Kreis ist nicht geschlossen, d.h. es ist keine geschlossene Gesellschaft, sondern für jedermann offen. Die Jünger sind in farbenprächtigen Gewändern gekleidet. Judas hat bereits mit einem Bein die Runde verlassen.

Lucas Cranach d.J. reicht Martin Luther, noch als Junker Jörg gekleidet, einen Becher.

Das linke Bild zeigt Philipp Melanchthon bei der Taufe. Neben dem Taufbecken stehen die Paten.

Auf dem rechten Bild nimmt Johannes Bugenhagen die Beichte ab. Er spricht dem vor ihm Knieenden die Vergebung zu, während ein anderer sich bußfertig zeigt und darum  mit gebundenen Händen gehen muss. Im Fußbild sehen wir den predigenden Luther auf der Kanzel. Er weist auf den Gekreuzigten. Ihm gegenüber hört die Gemeinde andächtig zu; darunter auch seine Frau mit dem kleinen Sohn. Ebenso bekennt sich Lucas Cranach zur reformierten Gemeinde.

Dieser Altar ist unter den Cranach-Altären der einzige, der neben dem Abendmahl auch Taufe und Beichte zeigt. Außerdem verleiht er anderen Personen bekannte Gesichter von Kirche und Bürgerschaft.

Die Gemälde auf der Rückseite stammen aus der Werkstatt von Lucas Cranach d.J. Sie wurden erst 1883 restauriert.

Das gesamte Kunstwerk ist bildhafter Ausdruck der neuen Lehre Martin Luthers, die nur noch Abendmahl, Taufe und Buße als Sakrament zuließ.

Die biblischen Szenen zeigen die Wittenberger Reformatoren. Diese verstanden sich als Glieder der Gemeinde und ließen sich gerne in Ausübung kirchlicher Handlungen darstellen.

Die Gemälde auf der Rückseite stammen aus der Werkstatt von Lucas Cranach d.J. Sie wurden erst 1883 restauriert.

Im Altarraum finden sich noch weitere Werke von Lucas Cranach, Vater und Sohn.

Ein Grabstein wurde angefertigt für Johannes Bugenhagen nach einer Zeichnung von Cranach. Hier wird der Reformator im Relief gezeigt als erster evangelischer Pfarrer der Stadtkirchengemeinde. Von Luther wurde er sehr geschätzt und zu seinem Beichtvater erwählt. Er traute auch Luther und Katharina von Bora 1525 und hielt später die Beerdigungsansprache am Grabe Luthers.

Das Grabmal für Lucas Cranach d.J. ist ein Marmor-Relief und zeigt die Grablegung Christi.

Außen an der Kirchenwand befindet sich ein Sandstein-Relief. Es ist ein Hohnbild auf die Juden, die sogenannte Judensau. Hier wird deutlich, dass die Juden, die es zahlreich in Wittenberg gab, von der Heilserwartung der Christen ausgeschlossen wurden. 1988, fünfzig Jahre nach Beginn der Judenverfolgung im Dritten Reich, hat die Stadtkirchengemeinde ein Mahnmal unterhalb des Reliefs der Öffentlichkeit übergeben. Es ist im Boden eingelassen, versehen mit einem Schriftband in hebräischer Schrift. Es ist der Anfang des 130. Psalm: „Aus der Tiefe rufe ich Herr zu Dir.“

Zum Mittagessen wurden wir erwartet im Gasthaus „Zum Schwarzen Bär“. Nachdem wir uns gestärkt und erfrischt hatten, ging’s weiter auf unserer Tour vorbei am Melanchthon-Haus und der Universität zum Luther-Haus.

Es war ursprünglich ein Augustiner-Kloster, in dem Luther lebte. Nach 1522 wurde es fast vollständig durch die Bilderstürmer zerstört. Die Mönche verließen das Kloster, Luther aber blieb.

Neue Bedeutung erhielt es, als Luther und Katharina von Bora 1525 vom Stadtpfarrer Johannes Bugenhagen getraut wurden. Sie bezogen das Kloster als Wohnsitz. Umfangreiche Umbauten wurden im Laufe der nächsten Jahrhunderte vorgenommen. Noch 1916 konnten neue Ausstellungsräume eröffnet werden.

Bis zum letzten Umbau betrat man das Haus durch das Katharinen-Portal. Diese Eingangspforte war in Pirna als Auftrag von Katharina für Martin angefertigt worden. Sie zeigt zwei Reliefs: Auf der einen Seite den Reformator mit Doktorhut, auf der anderen Seite die Lutherrose.

Heute erfolgt der Eintritt zum Lutherhaus durch eine separate Eingangshalle.  Hier ist das reformationsgeschichtliche Museum untergebracht. Auf einem Rundgang durch das große Gebäude erhält man einen Einblick von Luthers privatem und öffentlichen Leben.

Eine Ablaßtruhe erinnert an die Praxis, sich durch die Entrichtung von Geldbeträgen das ewige Seelenheil zu sichern. Luther mußte feststellen, daß mancher Wittenberger im nahen Jüterbog Ablaßzettel kauften. Seine Kritik richtete sich besonders gegen den Dominikaner-Mönch Tetzel. Von dem hieß es, daß er sogar für Sünden Verstorbener und für noch zu begehende Vergehen Ablaß gewährte.

Luthers 95 Thesen setzten sich mit dieser Ablaß-Praxis auseinander.

Einen weiteren Schwerpunkt der Ausstellung bilden die zahlreichen Schriften Luthers. Großen Wert legte er darauf, daß das einfache Volk seine Reden verstand. Darum übersetzte er die Bibel und andere Schriften ins Deutsche.

Im Refektorium, dem ehemaligen Speisesaal der Mönche, ist die Zehn-Gebote-Tafel von Lucas Cranach zu sehen.

Mit der eindrucksvollen Bildersprache wurde dem einfachen Volk, das nicht lesen und schreiben konnte, die christliche Moralauffassung nahe gebracht.

Im großen Hörsaal sieht man die Wappen von Luther und Melanchthon, die hier gelehrt haben.

Ein großes Ölgemälde zeigt den Kurfürsten Friedrich den Weisen.

Das um 1680 entstandene Barock-Katheder diente in der Universität als repräsentatives Ausstellungsstück.

Die Luther-Stube blieb über die Jahrhunderte weitgehend von Veränderungen verschont. Die Fußbodendielen stammen noch aus dieser Zeit. Den schönen Kachelofen kannte Luther nicht: Er ist neueren Datums.

Bei seinem Tod war Luther einer der reichsten und angesehensten Bürger der Stadt. Dies war auch das Verdienst seiner tüchtigen Frau. Sie führte einen großen Haushalt mit sechs Kindern und vielen Verwandten, Bierbrauen und Viehzucht. Luther nannte sie häufig „Mein lieber Herr Käthe“.

Hier endete unser Rundgang durch das Luther-Haus, gleichzeitig war es auch das Ende der Führung.

Der Bus brachte uns anschließend in den Naturpark Hoher Fläming. Im Vorbeifahren sahen wir noch das von Friedensreich Hundertwasser neugestaltete „Martin-Luther-Gymnasium“.

In Lühnsdorf wurden wir in der „Alten Schmiede“ zu Kaffee und Kuchen erwartet. Kurze Zeit hielten wir uns dann in dem Streichelzoo auf, um später, beladen mit vielen neuen Eindrücken, nach Spandau zurückzukehren.

Wir danken allen, die an der Gestaltung dieses gelungenen Tages mitgewirkt haben.

 

 

 
 
 
 
 

 

 

 
 

[ Home | Programm | Aktuelles Besinnung| Jugend| Musik| Geschichte| Kontakt ]