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Unterwegs in Güstrow
- Auf den Spuren Ernst Barlachs
Von Brigitte Bräutigam
Umgeben von reizvoller Landschaft liegt die Barlachstadt Güstrow im Herzen Mecklenburgs. Mit ihren besonderen Sehenswürdigkeiten hat sie vieles zu bieten. Am 16.10.2004 machte sich der Literaturkreis der Melanchthon-Gemeinde auf Spurensuche. Von einer Stadtbilderklärerin geführt, traten wir unseren Rundgang an. Vorbei an vielen Bürgerhäusern der unterschiedlichsten Stilepochen. Wir sahen z.B. das älteste Gebäude der Stadt, die leider noch nicht renovierte windschiefe Heiliggeist-Kapelle und die herrlich wieder hergestellte "Domschule". Das Gebäude wird heute als Grundschule genutzt. Gegenüber erhebt sich imposant der ev. Lutherische Dom, gestiftet 1226 von dem wendischen Fürsten Heinrich Borwin. Der Dom wurde in der Form eines Kreuzes errichtet. In der Mittelachse ist ein deutlicher Knick zu erkennen. Hierfür gibt es in der Chronik verschiedene Deutungen. Der gewaltige Flügelaltar fällt sofort ins Auge. Er kam um 1500 in den Dom und stammt von dem Hamburger Holzschnitzer Bornemann. Der golden gehaltene Hintergrund symbolisiert das himmlische Licht, das Mittelkreuz teilt die Menschen in zwei Gruppen. Rechts von Christus stehen diejenigen, die sich zu bekennen; links die ihn ablehnen. Über dem rechten Mitgekreuzigten schwebt ein Engel, der seine Seele in den Himmel trägt. Auf der anderen Seite erkennt man den Teufel, der auf die Seele des Verstorbenen wartet, um sie in die Hölle zu bringen. In der Umrahmung finden sich sechs Propheten des Alten Testaments mit leeren Schriftrollen. Dies ist das Zeichen für die Erfüllung ihrer Prophezeiungen. Neben der Kreuzigungsgruppe sind die zwölf Apostel und andere Heilige dargestellt. Im Fußteil über dem Alter sieht man Abbildungen von Kirchenmännern, die auf Christus hinweisen. Nach dem Aufklappen der Flügel erscheinen andere Bilder von biblischen Szenen. An der einen Seite des Chorraumes befinden sich die Wandgräber von Heinrich Borwin, dem Stifter des Doms, das Epitaph für Dorothea, eine Schwester des Erbauers und das Ulrich-Monument. Hier knien Herzog Ulrich und seine erste Gemahlin Elisabeth von Dänemark. Später wurde das Epitaph erweitert für Ulrichs zweite Frau Anna von Pommern. Das kostbare Grabmal ist eingefasst von den zwei Symbolen Weisheit und Glaube. Das Material ist verschieden farbiger Marmor. In den Wappentafeln oberhalb sind die Leitsprüche der drei in Abkürzungen angedeutet. Das Renaissance-Taufbecken aus Sandstein und Alabaster trägt die Wappen der Stifter Ulrich und Anna. Nach dem Kriege wurde in der Nordkapelle des Doms die sogenannte Winterkirche eingerichtet. Hierfür wurde Barlachs Altarkreuz aus Bronze verwendet. Bereits 1926 hatte Ernst Barlach zur Gestaltung eines Ehrenmals den "Schwebenden" vor seinem geistigen Auge: Eine schwebende Figur mit geschlossenen Augen und Mund und nach innen verschränkten Händen und Armen: Ein Abbild höchster Konzentration und Schwerelosigkeit: Eine schwebende Gestalt dicht über der Erde dahinziehend und himmelwärts steigend, gleichzeitig Versöhnung und Mahnung verkörpernd. Die Figur trägt unverkennbar die Gesichtszüge von Käthe Kollwitz, einer nahen Freundin Barlachs. Seit 1968 befindet sich der "Schwebende" nach vielen Irrwegen wieder in der Nordhalle des Doms. Darunter ein Stein mit den Daten beider Weltkriege umrahmt von einem schmiedeeisernen Gitter. Nach dem Besuch des Doms zogen wir weiter über den Franz-Parr-Platz mit dem Eisengussdenkmal für Gefallene aller Kriege. Gegenüber befindet sich das Ernst Barlach-Theater. Weiter ging' s nun zum Schloss. Von der Schlossbrücke aus sahen wir auf die nach alten Stichen rekonstruierten Gartenanlagen mit Lavendelbeeten und Laubengängen. Hier finden noch heute im Sommer Gartenfeste statt. Das Schloss war ursprünglich eine mittelalterliche Burg. 1558 nach verschiedenen Bränden ließ Herzog von Mecklenburg einen fürstlichen Bau als Residenz für sich, als den Landsherrn, errichten. Er verpflichtete dazu die Baumeister Franz Parr und Philipp Brandin. Noch heute bietet das Schloss Güstrow dem Betrachter einen imposanten Eindruck. Es beherbergt u.a eine reich bestückte Dauerausstellung, die neben Kunst aus Glas und Keramik auch Jagdwaffen von der Antike bis zur Neuzeit zeigt. Im nahegelegenen Schlosshotel mit dem Restaurant "Wallensteins Hofgericht" wurden wir zum Mittagessen erwartet. Hier konnten wir uns stärken und unsere müden Füße ausruhen. Später ging es dann im Bus weiter zum Marktplatz. Er ist der größte Platz der Stadt, der in all den Jahren nicht seine Größe jedoch sein Aussehen verändert hat. Hier befinden sich das Rathaus aus dem 16. Jahrhundert und die Pfarrkirche. Auch einige Giebelhäuser im Renaissance-Stil mit den farbigen, hellen Fassaden stehen hier. In diesem mittelalterlichen Zentrum trafen sich 1712 August der Starke und Zar Peter von Russland zu Regierungsgesprächen. 1981 winkten vom Rathaus-Balkon der damalige Bundeskanzler, Helmut Schmidt, und Erich Honnecker, der damalige Staatsratsvorsitzende, der Menschenmenge zu. Wir fuhren weiter zur Gertruden-Kapelle, einem Backsteinbau aus dem 15. Jahrhundert. Barlach hatte sich schon zu Lebzeiten diesen schlichten Raum als Ausstellungsort für seine Werke gewünscht. 1953 gelang es seiner Lebensgefährtin, Marga Böhmer, dieses Haus zu erwerben und dort eine Barlach-Gedenkstätte entstehen zu lassen. Es war das erste Barlach-Museum, das der Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurde. Wir sahen in dem hellen, lichtdurchfluteten Raum verteilt verschiedene Plastiken, teils aus Bronze, teils aus Holz: Besonders eindrucksvoll die "Pieta" und "das Wiedersehen". Im Garten rings um das kleine Haus sind Plastiken anderer Künstler aufgestellt. Der Bus brachte uns weiter zu den Ernst Barlach-Museen am Heidberg. Das Atelier-Haus wurde 1930 errichtet und ist seit 1978 Ausstellungsraum. Hier befindet sich die ständige Ausstellung von Gipsmodellen und Holzskulpturen, wie auch Handschriften und Zeichnungen und die umfangreiche Biographie von Ernst Barlach. Die Stiftung ist einer der wichtigsten Faktoren der Stadt. In den Museen wird der Nachlass des Bildhauers, Graphikers und Schriftstellers, der von 1870 bis 1938 lebte, in verschiedenen Formen der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Nur ein paar Schritte weiter am Inselsee gelegen, fanden wir im Hotel unseren Kaffeetisch bereits gedeckt. Mit Kaffee und Kuchen beschlossen wir die vielen Eindrücke von Barlach und Güstrow. Bei herrlichem Sonnenschein traten wir frohgestimmt die Heimfahrt an und erreichten wieder wohlbehalten Spandau. Wir danken allen, die an der Gestaltung dieses schönen Tages mitgewirkt haben.
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Schloss
Markt

Gertrudenkapelle
Atelierhaus am Inselsee

Inselsee
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