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von Brigitte Bräutigam Der Literaturkreis der Melanchthon-Kirchengemeinde befasste sich in den vergangenen Wochen und Monaten mit Leben und Werken des Dichters Theodor Fontane. Den Abschluss bildete eine Tagesfahrt am 3. Mai in das Ruppiner Land. Wir starteten an unserer Kirche und fuhren zunächst in Richtung Autobahn. Pünktlich um 10.00 Uhr erreichten wir den Bürgerbahnhof in Neuruppin. Dort am Ruppiner Tor erwarteten uns zwei Stadtführerinnen, die uns die Sehenswürdigkeiten erläutern sollten. - In zwei Gruppen aufgeteilt, begann der Rundgang auf einem kleinen Ehrenfriedhof in der Nähe des Bahnhofs. Dort befinden sich die Gräber von Fontanes Eltern. Hier erfuhren wir auch Interessantes über die Stadt. Neuruppin wurde bereits 1238 urkundlich erwähnt und erhielt 1256 die Stadtrechte. Ende des 17. Jahrhunderts wurde Neuruppin Garnisonsstadt. Im Sommer 1787 vernichtete ein verheerendes Feuer einen großen Teil der mittelalterlichen Altadtanlage. Dem persönlichen Einsatz von König Friedrich Wilhelm II ist der Wiederaufbau der Stadt zu verdanken. Ein Denkmal zeugt von der Dankbarkeit der Bevölkerung. Theodor Fontane verbrachte seine frühen Lebensjahre in Neuruppin. Die Löwen-Apotheke war sein Geburtshaus. Er schrieb dazu in seinem Roman “Meine Kinderjahre”: “Eine Pause sollte unbedingt auf dem Schulplatz eingelegt werden. Hier wurden dem Förderer des Wiederaufbaus nach dem Stadtbrand, König Friedrich Wilhelm II, durch die dankbare Neuruppiner Bürgerschaft ein Denkmal gesetzt. Der König blickt in Richtung Altes Gymnasium.” 1832 - 33 war Fontane hier Schüler. Im “Alten Gymnasium” ist seit dem Jahre 200 das Fontane-Zentrum untergebracht. In verschiedenen Ausstellungen ist jeweils eine Auswahl von Motiven der Neuruppiner Bilderbögen zu sehen. Die Bilderbögen waren die Vorläufer der heutigen Illustrierten und weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt. Durch die Bilderbogen-Passage hindurch kommt man zum Heimat-Museum und weiter zum Tempelgarten. Ursprünglich von Knobelsdorff als Holztempel für den Kronprinzen angelegt, wurde er später in den heutigen Massivbau umgestaltet. Die Innenstadt gilt als Musterbeispiel klassizistischer Städtebaukunst des 18. Jahrhunderts. Immer wieder bewunderten wie die rekonstruierten Fassaden und Türen der Häuser im Stadtkern. - Die Doppeltürme der Kirche sind das Wahrzeichen der Stadt. Bei gutem Wetter bietet sich von oben ein großartiger Ausblick über die Stadt und den dahinter liegenden Ruppiner See. Leider war unser Besuch hier von Regen und Kälte begleitet. Vorbei an den ältesten Häusern der Stadt gelangt man zum Predigerwitwenhaus. Hier verlebte Karl Friedrich Schinkel, der große Baumeister, seine Kinderjahre. Ein Schinkel-Denkmal steht auf dem Kirchplatz. - Durchgefroren, fußlahm und hungrig erreichten wir endlich den “Rosengarten”. Dort konnten wir uns beim Mittagessen aufwärmen und ausruhen, um für den weiteren Verlauf unsere Tagestour wieder fit zu werden. - Später ging es dann weiter in Richtung Rheinsberg. Prachtvolle Alleen, gesäumt von Eichen und Linden, verbinden die kleinen Dörfer und Flecken. Im Schloß wurden wir um 15.00 Uhr zu einer Führung erwartet. Das Schloß Rheinsberg, ursprünglich eine Wasserburg, hat sich mit Musik- und Theateraufführungen heute zum kulturellen Schwerpunkt der Gegend entwickelt. Es liegt direkt am Grienerick-See, der häufig in die Veranstaltungen einbezogen wird. Die Stadt Rheinsberg wurde erstmalig 1335 erwähnt. Brände und Kriege verursachten große Schäden. König Friedrich Wilhelm I kaufte das Schloß 1734 für seinen Sohn, den späteren Kön ig Friedrich den Großen. In einem Brief bekannte dieser, dass die Rheinsberger Jahre die glücklichsten seines Lebens gewesen seien. Bei ein em Rundgang durch die teilweise renovierten Schloßräume erhielten wir einen Eindruck von dem ehemaligen Prunk. Der Spiegelsaal, heute auch als Tagungsraum genutzt, diverse Schlaf-”kammern”, Kabinette, der Muschelsaal: überall vergoldete Deckenornamente und an den Wänden eingerahmte Spiegel. Zur heutigen Ausstattung gehören kostbare Gemälde, alles Originale, z.B. die “Aussicht von Rheinsberg” von Georg Wenzeslaus v. Knobelsdorff oder das Portrait der Königin Sophie Dorothea von Antoine Pesne. - Nach dem Kaffeetrinken in der “Holländer Mühle” ging es weiter zum Großen Stechlin-See. Der See gehört zur Rheinsberger Seenkette. Es liegt bei Neuglobsow. Wegen der besonders guten Wasserqualität, der rundum sauberen Luft und vielfältigen Pflanzenwelt inspirierte er Fontane zu seinem Roman “Der Stechlin”. Dort berichtet Fontane 1873 über seine ersten Eindrücke vom See: “Da lag er vor uns, der buchtenreiche See, geheimnisvoll, einem Stummen gleich, den es zu sprechen drängt. Aber was er sagen will bleibt ungesagt. Kein Boot, kein Vogel, auch kein Gewölk. Nur Grün und Blau und Sonne.” Nach diesem Ausflug in die Schönheit der Landschaft mussten wir leider die Heimfahrt antreten. Wir danken allen, die an der arbeitsreichen Vorbereitung und Durchführung dieser erlebnisreichen Fahrt beteiligt waren.
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