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     Juni 2006
 

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Der Literaturkreis in Dresden

Von Brigitte Bräutigam

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Die Stadt Dresden ist geprägt von historischen Bauten und grünen Vorstädten. Es war Kurfürst August der Starke, der besonders in den Jahren zwischen 1670-1733 das Erscheinungsbild bestimmte. Er wollte die Elbe zu einem venezianischen „Canale Grande“ umgestalten. Der Fluss sollte zu beiden Seiten von prunkvollen Gebäuden gesäumt sein. Über Generationen hinweg wurde diese Kultur weiter entwickelt. Zu herausragenden Wahrzeichen der Stadt wurden der Zwinger, die Semper-Oper und die erst 2005 wieder geweihte Frauenkirche.

Und so wollten auch wir, die Teilnehmer des Literaturkreises der Melanchthon-Gemeinde, dieses „Elbflorenz“ kennen lernen. Angeregt durch unser Thema „Erich Kästner, ein Sohn Dresdens“.

Am 11.Mai fuhren wir los: Diesmal mit einem Bus der Firma Rechter, vermittelt durch die Firma Wetzel. Die etwa dreistündige Fahrt wurde uns verkürzt durch das Hörspiel „Der 35.Mai“. Erich Kästner hatte sich hierfür etwas ganz besonders Verrücktes einfallen lassen: Die Geschichte von Apotheker Ringelhut und seinem Neffen Konrad.

Gegen 9.30 Uhr fuhren wir von der Autobahn ab mit einem ersten Blick auf die Turmspitzen von Dresden. Eine Stunde später standen wir am Zwinger, wo unsere Stadtrundfahrt begann.

Von der Augustus-Brücke aus hatten wir eine herrliche Sicht hinüber zu den weltberühmten Kunstensemble Semper-Oper und Semper-Galerie, Frauenkirche und Zwinger. Weiter ging es dann Richtung Neustadt vorbei am Japanischen Palais, das heute ein Museum für Völkerkunde ist, zum Albertplatz. Hier steht die Villa von Erich Kästners reichem Onkel, einem Pferdehändler. Der kleine Erich hielt sich oft hier auf. Später wurde in dem Haus das Erich-Kästner-Museum eingerichtet. Auf der Gartenmauer sitzt heute noch der kleine Junge, in Bronze gegossen. Am Albertplatz beginnt die Königsbrücker Strasse in der der Dichter geboren und mit seinen Eltern mehrmals umgezogen war. In dieser Gegend besuchte er auch als Musterknabe die Schule. In der Dreikönigskirche, erbaut von Mattäus Daniel Pöppelmann, wurde er getauft und konfirmiert. Ein kleines Bronzedenkmal erinnert an seinen täglichen Schulweg: Es zeigt einen Stapel Bücher, obenauf einen Hut und ein Whisky-Glas.

In der Nähe befindet sich die berühmte Molkerei der Familie Pfund. „Der schönste Milch- und Käseladen der Welt“ wurde bereits im Jahre 1892 gegründet von der Familie Pfund und ist auch heute noch zu besichtigen. Hunderte von handbemalten Fliesen der Künstler der Firma „Villeroy&Boch“ schmücken den Verkaufsbereich. „Pfunds Molkerei“ wird auf 15Milllionen Euro geschätzt.

In der Dresdner Neustadt finden sich viele barocke Bürgerhäuser, wie sie in der Altstadt nicht mehr zu sehen sind. Nur hier von der Neustadt aus ist der Blick hinüber zur Altstadt richtig zu genießen, besonders an so einem Klaren Sonnentag, wie wir ihn erlebt haben. In der Sonne glänzte auch die einst als orientalische Moschee erbaute Zigarettenfabrik. Mit dem Bus fuhren wir mehrfach über die Königsbrücker Strasse und über den Albertplatz, überquerten dann auf der Carolabrücke die Elbe  Am Ufer lag ein Teil der ältesten und größten Raddampferflotte der Welt.

Oberhalb der Elbe die Brühl´schen Terrassen, die heute die Kunstakademie beherbergen, sahen wir leider nur von Ferne; ebenso den auf 25000 Meißner Porzellankacheln dargestellte über 100 Meter Langen Fürstenzug nahe dem Theater-Platz. Das größte Porzellanbild der Welt – ein Grund für einen weiteren Dresden-Besuch.

Um 12.00Uhr nahmen wir an der Orgelandacht in der Frauenkirche teil. Der untere Kirchenraum war übervoll. So mussten wir trotz Reservierung selbst zusehen, einen Platz zu bekommen. Es war eine kurze Andacht. Orgelmusik von Bach umrahmte die wenigen Worte zu Wochenspruch und Vaterunser. Danach wurden Erklärungen zum Wiederaufbau dieses bedeutenden Bauwerkes von George Bähr gegeben. Die Frauenkirche steht beispielhaft für die Versöhnung ehemals verfeindeter Länder. Nachdem sie am Ende des 2.Weltkrieges zerstört worden war, lag sie jahrzehntelang in Schutt und Asche. Menschen aus der ganzen Welt haben dazu beigetragen, dass die Kirche nun in neuem Glanz erstrahlen kann.

Seit dem 18.Jahrhundert galt die Frauenkirche als eines der architektonisch reizvollsten Barock-Bauwerke Europas. Die Kirche war das evangelisch-ostdeutsche Gegenstück zum katholisch-westdeutschen Dom in Köln. Nach dem Bombenangriff vom 13.Februar 1945 brannte sie völlig aus und stürzte am 15.Februar 1945 in sich zusammen. Die Trümmer blieben so liegen bis zur Wiedervereinigung von Ost- und Westdeutschland. Dann nahm die „Stiftung Frauenkirche Dresden“ ihre Arbeit auf und begann 1994 mit dem Wideraufbau. Spenden aus aller Welt halfen dabei. Fast 20.000 Tonnen Steine und Trümmerreste wurden gesäubert, sortiert und katalogisiert. Zum Wiederaufbau sollte möglichst die alte Bausubstanz an der Stelle verwendet werden, wo sie sich auch früher befand. Im Juni 2004 wurde schließlich das 8 Meter hohe Goldkreuz auf die Turmspitze gesetzt. Der Londoner Kunstschmied Alan Smith (ALAN), Sohn eines britischen Bomberpiloten, hatte es als Nachbildung angefertigt. Finanziert wurde diese Schenkung von einem britischen Verein. Der prunkvolle Innenausbau mit vielen Engeln in den zarten Farben blau, rot, grün wird überstrahlt von goldenen Ornamenten. Was der Architekt George Bähr erst im späteren Lebensalter geschaffen hatte, wurde nach Vorlagen restauriert.  Die neue Orgel mit über 4000 Orgelpfeifen wurde der berühmten zerstörten Silbermann-Orgel nachgebaut. Der Sandstein-Altar wurde teilweise so belassen, wie er nach der Zerstörung aufgefunden worden war. Im Altarraum befindet sich auch ein Nagelkreuz aus Coventry, der Partnerstadt Dresdens.

Zur Einweihung der Kirche am 30.Oktober 2005 kam viel Prominenz aus dem In- und Ausland, auch der Bundespräsident Horst Köhler und Bischof Colin Bennetts aus Coventry.

Leider war auch hier die Zeit viel zu kurz für nähere Betrachtungen. Denn schon ging es wieder weiter über den Albertplatz die Bautzener Strasse entlang zur Strasse am Waldschlösschen. Im Brauhaus war für uns das Mittagessen bestellt. Wer Lust auf ein selbstgebrautes Bier hatte, konnte es hier trinken mit einem letzten Blick über die Elbe zur Altstadt.

Um 15.00 Uhr verließen wir Dresden in Richtung Moritzburg. Nur11km von Dresden entfernt liegt das Barockschloss, mitten in einem künstlich angelegten See auf einer natürlichen Felseninsel. Es soll eines der schönsten Wasserschlösser Europas sein.

1723 wurde es vom kleinen Jagdhaus zum eleganten Lustschloss umgebaut. Auch hier war August der Starke der Auftraggeber. Der Architekt Mattäus Daniel Pöppelmann führte den Bau aus.

Über eine großzügige Freitreppe gelangt man in das Schloss. Hier erwarteten uns in einem Nebenraum gedeckte Tische mit Kaffee und Kuchen. Wir ließen es uns schmecken.

Bis zur Heimfahrt um 17.00Uhr hatte noch jeder Zeit sich auf der Schlossterrasse die Sandsteinskulpturen anzusehen oder das Gebäude zu umrunden und den herrlichen Blick über die Teiche hinweg in die Landschaft zu genießen.

Ein schöner, interessanter und eindrucksvoller Tag ging zu Ende, als wir gegen 20.00Uhr wieder Spandau erreichten

Dank allen, die an der Gestaltung dieses Tages beteiligt waren.


 

 

 
 

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