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Gedanken zum Osterfest

Weihnacht  - Gregor von Nyssa

Herbst - Pfr. Erko Sturm

Die Melanchthon-Schlange - Pfr. Dr. Hermann Detering

Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? - Andacht über Lk 24:5 - Pfr. Dr. Hermann Detering

Heiliger Zorn - Jurij S. Hablitzel

Sportler engagieren sich für Christus - von Pfr. Erko Sturm

Festgottesdienst zum Preußenjahr am 16.September 2001, 12 Uhr - Die Predigt des Altbischofs Dr. Martin Kruse
 

 


 

Gedanken zum Osterfest

Leben heißt Wandlung. „Alles fließt“ sagt der griechische Philosoph Heraklit, und das ist wahr. Auch wir wandeln uns, vom Säugling zum Jugendlichen, vom Jugendlichen zum Erwachsenen, vom Erwachsenen zum Greis. Und dann kommt der Tod. Ist der Tod das Ende aller Wandlung?
Viele von uns meinen tatsächlich, nach dem Tod käme nichts mehr. Aus und zu Ende. - Ein Irrtum! Wie sollte es in einer Welt ständiger Wandlungen und Metamorphosen ein Ende geben? Es ist die alte Angst vor dem Nichts, die sich hier meldet, der „Horror vacui“. -
Aber die Angst ist unbegründet und wie alle Ängste ganz irrational. In einer Welt der Wandlungen gibt es kein Nichts. Bei Gott, dem alles Erfüllenden, gibt es kein Vakuum, keinen Verlust. „Kein Körper und kein Gedanke kann aus dem All, aus Zeit und Raum hinausfallen“, heißt es beim Schriftsteller Maurice Maeterlinck. „Kein Atom unseres Leibes, keine Schwingung unserer Nerven kann zu Nichts vergehen, denn es gibt keinen Ort, wo nichts ist“. Das Nichts ist einfach nicht vorhanden, denn wenn es vorhanden wäre, dann wäre es ja nicht mehr das Nichts.
So ist mit dem Tod keineswegs alles aus und zu Ende, der Tod ist vielmehr Durchgang und Transformation. Durch den Tod geschieht auch mit uns eine neue Wandlung. Der Tod ist eine neue Geburt, durch die wir auf unaussprechliche Weise hineingenommen werden in Gottes Dasein. Wir werden geboren, um dereinst zu sterben, und wir sterben, um neu zu leben. Das Leben ist der Anfang unseres Sterbens und das Sterben der Beginn unseres Lebens.
Die Sonne die hier untergeht, geht anderswo auf!
Es gibt viele Symbole für diesen geheimnisvollen Prozeß der Wandlung und Neugeburt. Eines der schönsten ist seit altersher der Schmetterling. Auch der Schmetterling erfährt eine Metamorphose: zuerst wird die Raupe zur Puppe, und aus der Puppe entschlüpft irgendwann der voll entwickelte Falter. Das hat schon die Menschen der Antike fasziniert und sie haben darin ein aussagekräftiges Sinnbild für die Seele gesehen, die durch die Wandlung des Todes hindurch auf Flügeln ins Jenseits schwebt.
Auf einem alten Reliquiar aus dem Mittelalter, das man erst vor kurzem im ehemaligen Schottenkloster in Regensburg entdeckt und nun im Museum ausgestellt hat, ist die Szene von Golgatha dargestellt. Jesus am Kreuz, neben ihm Maria und Johannes. Das Besondere dieses Reliquiars ist die Gestalt. Das Kunstwerk hat die Form eines Schmetterlings: Christus durchbricht die Grenzen des Todes und wird von Gott zu neuem Leben erweckt. Der Menschheitstraum von Auferstehung und Unsterblichkeit wird getragen von dem farbenprächtigen Schmetterling, dessen dunkle Flügel violett, blau, grün und golden aufleuchten. In dieser Glaubenshoffnung können auch wir uns zu neuem Leben wandeln und beflügeln lassen – im Vertrauen auf Gott.

Pfr. Dr. Hermann Detering

Christ ist erstanden
Von der Marter alle,
Des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein.
Kyrie eleis.
2. Wär er nicht erstanden,
So wär die Welt vergangen;
Seit daß er erstanden ist,
So lobn wir den Vater Jesu Christ.
Kyrie eleis.
3. Halleluja,
Halleluja, Halleluja!
Des solln wir alle froh sein,
Christ will unser Trost sein.
Kyrie eleis.


Weihnacht

Das ist unser Fest, das feiern wir heute: das Kommen Gottes zu den Menschen, damit wir zu Gott kommen oder, besser gesagt, zu ihm zurückkehren; damit wir den alten Menschen ablegen und den neuen anziehen und, wie wir in Adam gestorben sind, so in Christus leben, indem wir mit Christus geboren, gekreuzigt und begraben werden und mit ihm wieder auferstehen. Denn diese schöne Umkehr soll ich an mir erfahren. Wie nach dem Besseren das Traurige gekommen ist, so soll nach dem Traurigen wieder das Bessere kommen. »Denn wo die Sünde überschwenglich war, wurde die Gnade noch überschwenglicher.« Und wenn der Genuß Verdammnis brachte, um wieviel mehr hat das Leiden Christi uns Rechtfertigung verliehen. Darum laßt uns das Fest nicht weltlich feiern, sondern göttlich, nicht irdisch, sondern überirdisch, nicht was unser ist, sondern was dessen ist, der unser ist, vielmehr dessen, der der Herr ist; nicht was zur Krankheit, sondern was zur Heilung dient, nicht was zur Erschaffung, sondern was zur Neuschaffung gehört.
Wie hat das zu geschehen? Laßt uns nicht die Türen bekränzen und nicht Reigentänze aufführen, nicht die Straßen schmücken, nicht das Auge ergötzen, nicht das Ohr mit der Flöte vergnügen, nicht den Geruch verweichlichen, nicht dem Genuß fröhnen, nicht das Gefühl erfreuen. Laßt uns nicht üppig sein in weichlicher, ringsum herabwallender Kleidung, wovon das Schönste ohne Nutzen ist, nicht in glänzenden Steinen, nicht in strahlendem Gold, nicht in trügerischem Schminken mit Farben, die eine natürliche Schönheit vorlügen und dem göttlichen Ebenbild zuwider ausgedacht sind. Laßt uns nicht mit Schmausereien und Trinkgelagen feiern, mit denen meines Wissens Unzucht und schändliche Werke verbunden sind. Laßt uns nicht hohe Lager machen und dem Bauche weichliche Dinge bereiten. Laßt uns nicht wohlduftende Weine hochschätzen, Gaukeleien der Köche und kostbare Salben. Nicht sollen Land und Meer ihren kostbaren Schmutz uns zum Geschenke bringen; denn nur diesen Ehrennamen weiß ich für den Luxus. Geben wir uns nicht Mühe, es einander in Unmäßigkeit zuvorzutun. Unmäßigkeit ist in meinen Augen, was zuviel ist und über das Bedürfnis, und das, während andere hungern und darben, die aus demselben Lehm und denselben Elementen gebildet sind. Solches wollen wir den Heiden überlassen und den heidnischen Festen und Feierlichkeiten. Wir aber, die das Wort anbeten und uns freuen sollen, wollen uns freuen im Wort, im göttlichen Gesetz und in Erzählungen, die zum heutigen Fest in Beziehung stehen, damit unsere Freude dem Feste angemessen sei und dem nicht fremd, der uns berufen hat.

Gregor von Nazianz: Über die Geburt Christi 1.4-6

 


Herbst

Die beginnende Herbstzeit wartet mit ganz besonderen Tagen auf. Der Sommer scheint noch nicht ganz vorüber sein, kitzelt uns noch mit Sonnenstrahlen, das Licht des Tages berührt uns in eigenartiger Weise und doch spüren wir, dass sich eine neue Jahreszeit ankündigt. Der Ablauf ist wohl bekannt und doch nehmen wir ihn immer wieder mit Erstaunen zur Kenntnis. Herabfallende Blätter beginnen das Erdreich zu decken, die Färbung erstaunt Kinder, und auch wir Erwachsene sollten uns dem Wunder der Natur stärker widmen. Manchmal wünschen wir uns im Winter wärmere Tage, einige Tage im Sommer sind uns schon wieder zu heiß und zu schwül. Ist es allen recht zu machen? Wohl kaum! Mich befriedigt der Lauf der Jahreszeiten! Wäre es nicht langweilig, wenn wir durchgängig 20 bis 25 Grad Celsius hätten? Es gibt durchaus wohlhabende Menschen, die den Frühling und auch den Sommer über in Deutschland bleiben. Den Herbst und auch den Winter verbringen sie in südlichen Gefilden. Für mich wäre das nicht erstrebenswert. Im Winter möchte ich den Schnee spüren, im Frühling das erwachende Leben zu Kenntnis nehmen, im Sommer die Fröhlichkeit und das Lachen der Kinder erleben. Im Herbst sind Licht und Dunkel, auch gegeben durch die kirchlichen Feiertage - Erntedank und Ewigkeitssonntag -, so dicht beieinander.
Es gibt sehr schöne Lieder, die in besonderer Weise gerade den Schöpfergott loben. „Himmel, Erde, Luft und Meer, zeugen von des Schöpfers Ehr; meine Seele, singe du, bring auch jetzt dein Lob herzu.“ Ein jüngeres, eher unbekanntes Lied, die Melodie ist einem Spiritual entnommen: „Erd und Himmel sollen singen vor dem Herrn der Herrlichkeit, alle Welt soll erklingen, loben Gott zu dieser Zeit. Halleluja, dienen ihm in Ewigkeit.“ Für mich wird die Freude über die Unterschiedlichkeit der Jahreszeiten in Einklang gebracht. Ich möchte meinem Schöpfer Dank sagen für die Gaben der Natur, Dank sagen für Sonne und Regen.

 

Ihr Pfarrer Erko Sturm


Die Melanchthon-Schlange

Sie ziert den Siegelstempel der Melanchthon-Gemeinde und ist auf allen amtlichen Urkunden unserer Gemeinde zu sehen: die Schlange am Kreuz. Fleißige Kirchgänger haben sie gewiß auch schon auf dem Glasfenster über der Eingangstür unserer Kirche entdeckt (siehe das Logo dieser Website). Nur wenige wissen, was es mit der „Melanchthon-Schlange“ auf sich hat. Einige fühlen sich an den Asklepius(Aesculap)stab der Apotheken erinnert, andere fragen verwundert, wie ausgerechnet eine Schlange zum Wahrzeichen einer christlichen Gemeinde werden konnte.
Den ersten biblischen Bezug finden wir im Alten Testament. Nicht in der Sündenfallsgeschichte, sondern im 4. Buch Mose, Kapitel 21. Darin wird berichtet, daß viele Israeliten bei ihrer Wüstenwanderung von giftigen Schlangen gebissen wurden. Darauf, so heißt es, „machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biß, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.“ Hier wird das Abbild der Schlange (ähnlich wie die Aesculapschlange) zum Symbol der Heilkraft und des Glaubens. In diesem Sinne wird das Motiv auch im Neuen Testament interpretiert. Der Evangelist Johannes vergleicht die „Erhöhung“ Christi mit der Aufrichtung der ehernen Schlange durch Mose und läßt Jesus sagen: „Wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muß der Menschensohn erhöht werden“ (Joh 3:14). Wer an den erhöhten Menschensohn glaubt, gelangt im Sinne des vierten Evangelisten durch seinen Glauben vom Tode zum Leben, ebenso wie die Israeliten durch den Anblick der ehernen Schlange vor dem physischen Tode bewahrt blieben. Bleibt die Frage, was die Schlange mit der Melanchthon-Gemeinde zu tun hat und wie wie sie auf den Siegelstempel der Melanchton-Gemeinde kommt. Antwort: Sie befand sich bereits auf dem Siegel Philipp Melanchthons, des Namenspatrons unserer Kirche, und wurde zusammen mit dem Namen als Wahrzeichen der Melanchthon-Gemeinde übernommen. -
In gewissen christlich-häretischen Kreisen der Frühzeit, wie z.B. bei den Naassenern (Schlangenverehrer), wurde die Schlange übrigens als Symbol der Weisheit verehrt. Immerhin hatte sie das erste Menschenpaar dazu veranlaßt, vom Baum der Erkenntnis zu essen! Da Christus als Bringer der wahren Erkenntnis (Gnosis) galt , konnte man in der Schlange einen prophetischen Hinweis auf ihn erkennen.
 

Pfr. Dr. Hermann Detering


Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten?

Andacht über Lk 24:5  -  Pfr. Dr. Hermann Detering

Noch ist die Grabkammer geschlossen. Aber dann gerät der Stein in Bewegung.  Aus der Öffnung der Kammer gleißt blendendes Licht. Und nun die Frage, die eigentlich keine Frage, sondern ein Fanfarenstoß ist: Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? So können nur Engel fragen. 
Eigentlich waren wir eingestellt auf das Ritual des Todes. Ein Toter sollte in seiner Grabkammer besucht, ein Leichnam geölt werden. Und nun soviel Licht.
Für alle unerwartet wird offenbar, daß die Stätte des Todes ein Ort des Lebens geworden ist. Unsere Begriffe von Leben und Tod sind zu eng und zu schmal für dieses Leben. So, daß sie wohl nur von einem Toten ersonnen werden konnten, der toten Vernunft. Aber unsere Toten sind nicht tot, sie leben et lux perpetua lucet eis, das ewige Licht leuchtet ihnen.
Im Lichte der Auferstehung wird nicht nur die Grabkammer Jesu erhellt und das Wesen des Todes ausgeleuchtet, sondern zugleich die Dunkelheit unseres Daseins aufgedeckt. Nicht erhellt unser Tageslicht die Dunkelheit des Grabes, sondern das aus der Grabkammer gleißende Licht erhellt unser Dasein.
Wenn soviel Licht bei den Toten ist, wieviel Dunkelheit ist dann bei den Lebenden? Wenn soviel Leben im Tode ist, wieviel Tod muß dann im Leben sein? Vor dem Hintergrund und im Lichte der Auferstehung wird das Dasein der Lebenden in all  seiner Brüchigkeit und Hinfälligkeit, in seiner ganzen Todesverfallenheit vorgeführt. Und da mag manchem unsere schöne Erde eher wie die eigentliche große Grabkammer erscheinen.
Denn wieviel Tod ist im Alltag der Lebenden? In ihren Lügen und Kriegen, in ihren erstarrten Gewohnheiten, in ihren genormten Lebensplänen, ihren gestanzten Weltanschauungen, ihren parteipolitischen Scheuklappen, ihrer Rücksichtslosigkeit und Geldgier, ihrer Gefühllosigkeit gegenüber dem wirklichen Leben? Im Osterlicht wird nicht nur das Leben der Toten, sondern auch der vielfache Tod der Lebenden offenbar. Derer, die ihre Auferstehung noch vor sich haben.

In einem alten christlichen Text lesen wir:

Was also ist die Auferstehung? Sie ist das Sichtbarwerden für immer, derer, die auferstan­den sind. Sie ist kein Phantom, sondern wahr. Es gehört sich, zu sagen, daß die Welt ein Phantom sei, mehr (jedenfalls) als die Auferstehung, die durch unseren Herrn, den Retter Jesus Christus, geschehen ist. Worüber belehre ich dich jetzt? Die Lebenden werden sterben. Welch eine Illusion! Reiche wurden arm, Könige wur­den vom Stuhle gestoßen. Alles ändert sich. Aber mit der Auferstehung verhält es sich nicht so, denn die Wahrheit steht und das Sichtbarwerden des Existenten und der Umschlag der Dinge in ein neues Sein. Denn die Unvergänglichkeit kommt herab auf das Vergängliche. Das Licht fällt auf die Finsternis und verschlingt sie.
Das ist das Zeichen, das ist die Wahrheit der Auferstehung: das, was das Gute bewirkt.


(Der Rheginusbrief / Die Abhandlung über die Auferstehung)

 


Heiliger Zorn 

von Jurij S. Hablitzel

Warum ist Theologie so spannend und Kirche so langweilig? Meint die Kirche, den Gläubigen die Spannung nicht zumuten zu können? Die Diskussion der modernen Theologie und Religionswissenschaft ist in Büchern ganz lebendig. Einiges dringt sogar bis ins Fernsehen vor (z.B. 3sat-Serie „Corpus Christi“). Auch Laien beteiligen sich, so Peter Hahne, Rudolf Augstein. Theologen laufen allerdings ständig Gefahr, ihre Lehr- oder Prüfungsbefugnis zu verlieren, so Drewermann, Küng, Ranke-Heinemann, Lüdemann. Das ist ärgerlich. Für wie unmündig hält die Kirche ihre Schäfchen?

Von der Freiheit eines Christenmenschen bleibt nicht viel, wenn die Kirche ihn „einnordet“. Auch Luthers Aufsatz ist eine Sache, sein kleiner Katechismus für die blöden Schäfchen eine andere. Wann endlich nimmt die Kirche zur Kenntnis, daß Laien nicht doof sind? Ich jedenfalls habe in Hamburg den Besuch einer fundamentalistischen Rüß-Predigt in St. Johannis genauso überstanden wie einen renegaten Vortrag von Gerd Lüdemann in St. Katharinen. Deren Hauptpastor Denecke traut sich was! Es heißt: „Suchet, so werdet ihr finden!“ Und nicht: Ihr müßt nicht mehr suchen, denn die Kirche hat schon alle Antworten parat. Dieser Alleinvertretungsanspruch ist ärgerlich. Die Rotte Korach läßt grüßen.

Wie oft will die Kirche übrigens noch die Ahnungslose spielen und zu Scheindiskussionen einladen? Schon vor 100 Jahren hat z.B. Leo Tolstoj in „Meine Beichte“ Fragen, Ärgernisse und Erwartungen genannt. Hört die Kirche überhaupt zu, oder sollen Gläubige nur gelegentlich Dampf ablassen können, um als Kirchensteuer-zahler bei der Stange zu bleiben? Korrumpiert die Kirche Theologen? Wenn die Theologie als Wissenschaft überhaupt ernstgenommen werden will, muß sie mehr als dogmatisch sein, sonst reiht sie sich bei der Astrologie ein. Der Glaube, welcher höher sei denn alle Vernunft, wird sehr eilfertig berufen. Sind eigentlich die Theologen mit scholastischen „Trockenschwimmübungen“ zufrieden?

Muß die Wahrheit die Wahrheit fürchten? Doch wohl nicht. Ich werfe den wohlbestallten Theologen vor, daß sie den „Gläubigen“ Fakten verschweigen, von denen hier nur einige genannt sein sollen. Diese sind jedem studierten Theologen bekannt.

Zu den Rahmenbedingungen der Antike gehörte ein magisches, animistisches Weltbild. Die Bewertung des „Wortes“ war bis ins Mittelalter mystisch (Kabbala, Alchimie). Es gab bei Todesgefahr keine „Lehrfreiheit“. Alle möglichen Theologien und Philosopien grassierten (z.B. Zarathustra, Gnosis, Platonismus). Konkurrierende Wanderprediger verkündeten „Erleuchtungen“ aller Art; und ihre Anhänger waren sehr bemüht „nachzuweisen“, daß jeweils ihr Meister der Allertollste war. Dazu kommen noch Störgrößen durch dynastische Interessen, Priester- und Kircheninteressen, Mißverständnisse, Abschreibfehler, Fälschungen, Übersetzungsfehler, Interpretationen, freie Dichtungen, Übernahme „heidnischer“ Legenden und Kulte, willkürliche Auswahl (Kanon), politische Manipulierer, Tricks, Scharlatane und Verrückte. Hinsichtlich letzterer ist festzuhalten, daß es in der Antike keine Irrenanstalten gab. Die Krankheitsbilder von Schizophrenen, Hysterikern und Epileptikern sind zu beachten. Bedeutungsvoll ist auch das Phänomen des induzierten Irreseins.

Ist Luthers Credo „sola scriptura“ wirklich eine sichere Basis? Mir fällt aus Goethes „Faust“ Mephistos Gespräch mit dem Studenten ein, der erklärt: „Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ Ich habe redlich auch mit Fundamentalisten gesprochen. Dabei habe ich weitaus mehr Angst als erlöste Freude registriert. Ich will der heutigen Kirche nicht mehr vorwerfen, daß sie den Menschen (Höllen)-Ängste macht. Auf die furchtbare Kirchengeschichte mag ich hier gar nicht eingehen. Aber die Kirche pickt sich zeitgeistlich aus der Bibel heraus, was gefällig ist. Ich weiß nicht, wie oft ich schon Predigten über den barmherzigen Samariter gehört habe. Der verfluchte Feigenbaum, Hananias und Saphira oder der untreue Verwalter sind bei Pfarrern deutlich weniger beliebt. Ganz obsolet sind ein-deutige Rollenzuweisungen der Bibel für Frauen oder glasklare Verdammungen von Homosexuellen.

Wann endlich beendet die Kirche diesen Eiertanz und gesteht ein, daß die Bibel in toto nicht Gottes Wort ist? Sie ist eine Zusammenstellung sehr unterschiedlicher Schriften, die von Menschen verfaßt wurden. Und soweit es die Evangelien betrifft, ist Stand der Wissenschaft, daß sie nicht von den Aposteln verfaßt wurden, deren Namen sie tragen. Markus könnte vielleicht eine Ausnahme sein. Eigentlich wissen das alle Theologen. Was soll dann das Theater? Die spürbare Inspiration in vielen Passagen soll nicht geleugnet werden. Das Problem ist die „Gemengelage“. Wer will sagen, was göttlich inspiriert ist und was nicht?

Aber, wäre Gott in Frage gestellt, wenn die Bergpredigt tatsächlich so nicht stattgefunden hat, sondern eine redaktionelle Zusammenstellung aus der sogen. Redenquelle wäre, das Vaterunser nicht erst durch Jesus vorgebetet wurde, das Abendmahl nicht von Jesus gestiftet wurde? Und wäre Jesu Kreuzestod sinnlos, wenn er nicht als ultimativ extrapolierter Opfergedanke gelten würde? „Devotionen“, d.h. freiwillige Selbstopfer, waren in der Antike doch gängig. Paulus macht von dem Faktum der Auferstehung alles abhängig. Ist Paulus unfehlbar? Das würde Frauen und Homosexuelle wenig erfreuen. Wieviel hat Christentum überhaupt mit Jesus zu tun? Ist Christus menschgewordener Schöpfer oder ein Geschöpf menschlicher Spekulation und Sehnsuchtsprojektion?

Dieses alles und noch viel mehr Ungenanntes sind ja keine satanischen Zerstörungsthesen von mir, sondern ein Kurzüberblick über den Stand der wissenschaftlichen Diskussion unter Theologen! Wie vereinbaren Pfarrer eigentlich ihre Studienerkenntnisse mit dem sonntäglichen Ritual des „apostolischen“ Glaubensbekenntnisses? Wieviel Zerrissenheit erträgt ein integerer Mensch? Frißt die Kirche die Seelen ihrer Priester? Es wundert mich nicht, daß gerade den lautersten Pfarrern in ihren Predigten das unangekränkelte Feuer Savonarolas fehlt. Aber ich nehme ihnen übel, daß sie „Gläubige“ auf infantilem Kinderbibelstand lassen und sie mit Kindergeburtstags-Events auf Kirchentagen abspeisen. Sollen sich doch die Pfaffen die Pappnasen ankleben! Da kommt schon Zorn auf.

Wer sich selbstgefällig bereits im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheit wähnt, neigt zu bornierter Ignoranz. Besser wäre es, die Kirche würde sich berufen fühlen, ernsthaft mit der Suche zu beginnen. Eine meiner Lieblingsvisionen ist ein Lehrstuhl für undogmatische Gottforschung, an dem nicht nur Theologen arbeiten, sondern auch Physiker (spez. Kosmologen), Biologen, Mediziner, Anthropologen, Religions-wissenschaftler usw.

Ich hätte in dieser Wunde nicht gebohrt, wenn ich nicht wenigstens ansatzweise auf einen Weg aus dem Dilemma weisen könnte. Es gibt, Gott sei Dank, etwas Mächtigeres  als eine „heilige“ Schrift. Ich spreche von der unmittelbaren Gotterfahrung. Nun bin ich beileibe kein Heiliger. Ich suche und strample, verzweifle oft, bin nach Dogma ein Sünder (nicht gar zu arg, aber häufig mit Lust). Ich höre keine Stimmen, habe keine Erscheinungen. Trotz Ringens fühle ich mich Gott leider nur gelegentlich nah. Mehr erwarte ich aber auch nicht von einem Pfarrer. Er soll ehrlich ringen und suchen. Und er soll sein theologisches Wissen unzensiert vermitteln. Märtyrer muß er nicht werden. Ein Taktieren gegenüber „Pharisäern“ sei ihm zur Existenzerhaltung zugebillig.

Wie ist einem „Thomas“ Gotterkenntnis möglich? Durch Anschauung und Begreifen der Realität. Gott offenbart sich in seiner Schöpfung real, beobachtbar und gegen-wärtig. Er ist ein wahrhaft lebendiger Gott. Damit keine Mißverständnisse aufkommen, betone ich, daß ich keineswegs Gott mit der Schöpfung gleichsetze (im Sinne eines Baals). Auch folge ich nicht den Maximen des dialektischen Materialismus. Allerdings begreife ich Vernunft und Logik als Gottesgaben, deren Gebrauch gottgefällig ist. Und mit Vernunft und logischem Unterscheidungsvermögen (!) nutze ich jede Erkenntnisquelle, um zu „harten“ Fakten zu gelangen. Dazu zählen die Erkenntnisse aus der Kosmologie, Evolution, Naturwissenschaften allgemein und mit Einschränkungen auch die der Geschichte (problematisch wegen der – aus göttlicher Sicht – lächerlich kurzen Zeit der Historie).

Ich stelle fest, daß die Erde nicht vor biblischen 6 tsd. Jahren in sechs Tagen fertiggestellt wurde, sondern etwa 4,5 Mrd. Jahre alt ist. Das Alter des Kosmos wird auf ca. 14 Mrd. Jahre geschätzt. Nach heutigem Stand der Wissenschaft ist davon auszugehen, daß es einen initialen „Urknall“ gegeben hat. Seit dem dehnt sich das All aus und kühlt ab. Durch diese Abkühlung konnten sich überhaupt erst Elementar-teilchen bilden, dann immer größere Atome, schließlich auch molekulare Verbindungen und schließlich (wunderbar!) Leben mit Stoffwechsel und Reproduktion (reine Definitionssache).

Man kann grob in drei Phasen der Entwicklung unterscheiden. Die erste Phase ist die physikalische, die zweite die chemische und die dritte die biologische. Dabei werden die Elemente und Verbindungen immer größer und komplexer.

Aus primitivsten Einzellern entstanden im Laufe von ca. 3 Mrd. Jahren Evolution höhere Lebensformen, bis hin zu menschenartigen vor ca. 2 Mio. Jahren. Der homo sapiens entwickelte sich vor etwa 50 tsd. Jahren. Bis vor ca. 10 tsd. Jahren lebte parallel dazu noch der Neandertaler. Der Mensch hat seither eine erstaunliche (wunderbare!) Entwicklung durchgemacht. Und durch den Menschen (als Instrument) entwickelt sich die Schöpfung weiter. Die Schöpfung ist nach aller Beobachtung nicht statisch abgeschlossen, sondern dynamisch offen!

 Gottes Wirken zeigt sich eben in dieser Schöpfung, die nicht planlos chaotisch ist, sondern eine (wunderbare!) klare Willensrichtung erkennen läßt: Vom Unbelebten zum Leben, von niederen zu immer höheren Lebensformen, zu immer größerer Vernetzung, zu immer höherer und schnellerer Intelligenz. Hierbei sind Wunder über Wunder festzustellen, wenn man nur „Augen hat, um zu sehen“. Man verdeutliche sich einmal, daß der heutige Mensch im Plasmazustand des Kosmos vor 14 Mrd. Jahren immanent war. Oder man mache sich klar, daß der Bau einer Mondrakete auch vor 50 Mio. Jahren möglich gewesen wäre. Dazu wären keine neuen extraterrestrischen Werkstoffe nötig gewesen.

Was damals fehlte, war das Verständnis, d.h. der Geist (im Menschen!). Das Wunder ist aber, daß der Geist (potentiell) seit Anbeginn vorhanden war. Ein Physiker würde vielleicht das Bild eines ewigen Feldes entwerfen, daß zu gegebener Zeit Energie induziert. Oder man könnte den Vergleich mit einem Sender bemühen, der seine Botschaften seit Urzeiten ausstrahlt; aber erst wenn es einen Empfänger auf Resonanz gibt, realisiert sich im „Diesseits“ das Signal. In diesem Bild geht es also letztlich darum, sich als Mensch auf Gott „einzutunen“.

So ist das Wissen seit Ewigkeit vorhanden, aber erst der Prozeß der Erkenntnis er-schließt es langsam dem Menschen. Das gilt auch für die Zivilisation, Kultur und Kunst. Woher kommt die Inspiration? Ohne (göttlichen) Genius gäbe es keine (menschlichen) Genies, die nichts weiter sind als bereit für die Inspiration, indem sie sich auf die „göttliche Wellenlänge“ einstellen. Woher kommen die Ideen? Wenn wir uns einen „Raum“ denken, der alle potentiellen Möglichkeiten enthält, dann ist es nur noch eine Frage der Definition, ihn „Himmel“ zu nennen. In diesem Zusammenhang steht ja auch der alte Universalienstreit. Ich habe im Aufsatz eines ehemaligen Bundesrichters den Satz gelesen: „Es gibt keine Gerechtigkeit; es gibt nur das Gesetz.“ Indessen gibt es nur Gesetze, eben weil es Vorstellungen von Gerechtigkeit gibt.

Nach meinem Verständnis sind Wunder an der Tagesordnung. Und der Himmel ist allgegenwärtig. Im Menschen war der Wunsch zu fliegen angelegt (sonst hätte er ihn gar nicht gehabt). Die potentiellen Möglichkeit dazu war schon immer immanent vorhanden. Und so ist es dem Menschen nach 50 tsd. Jahren gelungen. Allerdings mußte er dafür „beten“. Beten verstehe ich nicht nur als wünschendes Flehen an Gott, sondern gerade auch als Aktivität im Gottvertrauen, d.h. im „Glauben“.

Mit diesen Definitionen betrachten wir beispielsweise einmal die Krebsforschung. Gottes Wille ist, daß wir Krankheiten besiegen wollen/sollen (sonst kämen wir gar nicht auf die Idee, sondern würden wie Würmer simpel eingehen). Ohne schon zu wissen, wie das Ziel letztlich erreicht werden kann, haben Forscher unbedingten „Glauben“ (Gottvertrauen), daß es im „Himmel“ (im Bereich aller Möglichkeiten) eine Lösung gibt und „beten“ (arbeiten an Forschungsprojekten) dafür. Und das „Wunder“ (die Speisung unseres Seins aus der unerschöpflichen himmlischen Quelle) wird ge-schehen. Noch nie blieb ein Gebet in diesem Sinne unerhört (vgl. Jesu Formulierung „in meinem Namen“).

 Nun könnte man einwenden, daß ja auch Atombomben entwickelt wurden. Damit kommen wir zur Vorstellung des „Heiligen Geistes“ in Abgrenzung zu „bösen Geistern“ oder „Dämonen“. Mir hat immer sehr das mosaische Gesetz gefallen, wonach das Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter gekocht werden soll. Daraus kann man trivial ein koscheres Kochrezept ableiten, oder man kann es so verstehen, daß etwas, das zum Guten gedacht ist, nicht ins Gegenteil verkehrt werden soll.

Bleibt die Frage nach dem liebenden Gottvater und seiner individuellen Zuwendung zum einzelnen Menschen. Nach Auschwitz ist das eine sehr schwere Frage. Aber für die tröstende Seelsorge ist diese Ursehnsucht des Menschen sogar wichtiger als alle objektiven Gotteswirkungen. Das Problem ist, daß man objektiv naturgemäß nur all-gemeine Aussagen über subjektives Gotterleben machen kann. Immerhin ist zu reali-sieren, daß wir individuelle Gaben und Talente haben.

Wir erleben auch ein individuelles Schicksal. Bedauerlicherweise kann ein Schicksal auch grausam sein. Wir sagen „Not lehrt beten“. Nach meinem Verständnis treibt uns Unglück zur Aktion gegen die Mißbill (d.h. zum „Gebet“) und beschert uns „himmlische Lösungen“. Ohne Krankheiten gäbe es keine medizinische und pharmazeutische Forschung. Ohne Verbrechen gäbe es keine Gesetze und Polizei dagegen. Und ohne „durchgeknallte Despoten“ hätte sich nicht die Demokratie verbreitet. Die Schöpfung ist eben noch nicht fertig! „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“ besagt ja wohl, daß wir noch keine himmlischen Zustände haben. Aber eben weil „das Himmelreich nahe ist“, können wir durch Gebet himmlische Gaben erhalten. Das ist doch nicht selbstverständlich. Die Möglichkeiten könnten doch auch erschöpft sein – in einer für alle Zeiten abgeschlossenen Schöpfung.

Im Heiligen Geist wurde das Rote Kreuz gegründet. Und dank des Heiligen Geistes sind heute in „diesseitigen“ Krankenhäusern täglich mehr Heilungen möglich, als Jesus sie exemplarisch in seiner ganzen weltlichen Wirkungszeit vollbrachte. Und ich glaube (vertraue darauf), daß letztlich auch Tod und Leid mit himmlischem Verständnis ein Nichts sind.

Um nicht den falschen Eindruck zu erwecken, daß Gottes Wirken sich nur im natur-wissenschaftlichen Bereich offenbare, verweise ich noch kurz auf das sozioökonomische Feld. Alle antiken Großreiche sind untergegangen. Eigentlich ist das heutige kapitalistische Geldraffen lächerlich. Ich könnte leicht „prophezeien“, daß auch die USA irgendwann das Zeitliche segnen werden. Gerechtigkeit und Solidarität sind „Universalien“, die ewig sind. Hingegen sind Katasterämter und Börsen lediglich zeitliche Konstrukte zum Abstecken bizarrer menschlicher „claims“.

Vielleicht enthalten meine Ausführungen ja einige Denkanstöße. Ich würde mir wünschen, daß Theologie auch in der Kirche spannend wäre. Warum ist die Kirche nur so verzagt? Ich hätte diesbezüglich Lust, Luther zu zitieren. Und es ärgert mich wirklich, wenn sich viele Pastoren (in Ermangelung des Heiligen Geistes?) vorrangig als Sozialarbeiter oder Psychologen dilettieren. Wo bleibt die Spiritualität in der Kirche?

  Autor:    Jurij S. Hablitzel, Im Lohmoor 30, D-21266 Jesteburg, Tel. (04183) 5918

Serail@t-online.de


Paulo Sergio / Bayern-München

 Mit vollem Einsatz

Sportler engagieren sich für Christus - von Pfr. Erko Sturm

Unter dem Titel „Mit vollem Einsatz“ ist im Hänssler-Verlag auf Initiative der Gruppe „Sportler ruft Sportler e. V.“ eine Ausgabe des Neuen Testaments mit Lebensberichten internationaler Spitzensportler erschienen. Mir hat dieses Buch in der Kinder - und Jugendarbeit und auch im Religionsunterricht schon treue Dienste erwiesen. Kinder und Jugendliche reagierten plötzlich anders, Gespräche über Glauben und Kirche konnten intensiver geführt werden. Ihre Idole bekennen sich öffentlich zu Christus und geben zu Papier, dass sie sich ihr Leben ohne Christus eigentlich nicht mehr vorstellen können. Dirk Heinen, Torwart des Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt, erinnert sich im Buch an seine Zeit bei Bayer Leverkusen und dem dortigen Bibelkreis, der in erster Linie von den damals am Rhein spielenden Brasilianern Jorginho und Paulo Sergio geleitet wurde. Die Profis aus Südamerika „infizierten“ einen Teil ihrer Mannschaftskameraden mit ihrer tiefen Frömmigkeit. So kann Heinen am Ende seines Berichts das Markusevangelium zitieren: „Denn wer Gott vertraut, dem ist alles möglich.“ (Markus 9, 23)

Besondere Beachtung verdient auch die Vita des ehemaligen Spitzensportlers Oliver Page. Mit 17 Jahren schon für Bayer Leverkusen in der Bundesliga aktiv, wechselte er dann zu Dynamo Dresden, spielte noch für Rot Weiß Essen unter dem jetzigen Trainer von Hertha BSC, Jürgen Röber. Nach dieser Zeit beendete er seine Kariere, um in einer Freikirche eine Ausbildung zum Pastor zu beginnen.

Auch die Tennisspieler Michael Chang und Mary Joe Fernandez können sich ein Leben ohne den Glauben an Christus nicht mehr vorstellen. Das hat seinen guten Grund. Die Karriere geriet bei beiden ins Stocken und sie begannen mit Christus ihr Leben neu zu ordnen.

Der deutsche Golfprofi Bernhard Langer hat erst nach eindringlichem Nachdenken über Johannes 3, 3 Jesus als wahren Weg erkennen können. „Wer nicht neu geboren wird, kann nicht in Gottes Reich kommen.“

Diese Lebensberichte können für junge Leute anregender sein als manche Predigt. Sie müssen dennoch ihre eigenen Erfahrungen mit Glauben und Kirche machen. Bei Bayer Leverkusen war es der Brasilianer Jorginho, der viele Mannschaftskameraden die Bibel neu oder wieder entdecken ließ. Vielleicht können wir in der Gemeinde Ähnliches leisten.


Die Predigt des Altbischofs Dr. Martin Kruse

Festgottesdienst zum Preußenjahr
am 16.September 2001, 12 Uhr

in der Evangelischen Melanchthon-Kirche in Berlin Spandau
Predigt: Altbischof Dr.Martin Kruse; Text: Psalm 146,3-7  


 Liebe Gemeinde,

in der Predigt in diesem festlichen Gottesdienst möchte ich auf einige Verse aus dem Psalm zurückgreifen, den wir zu Beginn des Gottesdienstes miteinander im Wechsel gebetet haben, auf den 146.Psalm (Verse 3 -7) :  

„Verlaßt euch nicht auf Fürsten,
die sind Menschen, die können ja nicht helfen
Denn des Menschen Geist muß davon,
und er muß wieder zur Erde werden;
dann sind verloren alle seine Pläne.
WOHL DEM , DESSEN HILFE DER GOTT JAKOBS IST,
der seine Hoffnung setzt auf den Herrn seinen Gott,
der Himmel und Erde gemacht hat,
das Meer und alles, was darinnen ist,
DER TREUE HÄLT EWIGLICH,
der Recht schafft denen, die Gewalt leiden“.

Das ist als Beitrag zum Preußenjahr doch eine ziemlich ernüchternde Stimme, diese Warnung, sich nicht auf Fürsten zu verlassen, als hätten sie Zügel in der Hand und könnten die Geschichte lenken, wie es ihnen in den Sinn kommt. Sie sind alle fehlsame Menschen. Sie sind Kinder ihrer Zeit und treten mit ihrer Zeit ab.

Der amerikanische Präsident wird gerne als „der mächtigste Mann der Welt bezeichnet“, an der Spitze der einzigen Großmacht, die nach dem 2o.Jahrhundert übriggeblieben ist. Und das ist er ja auch, der mächtigste Mann der Welt. Aber alle Macht und Technik, dieser riesige Machtapparat, der ihm zur Verfügung steht, hat diese unheimlichen Anschläge nicht aufdecken und verhindern können: Der mächtigste Mann steht plötzlich so unglaublich ohnmächtig da. Er ist auch nur ein Mensch !

Wir sind gewohnt, in der Geschichte – auch in der Geschichte Preußens – nach den grossen Gestalten und ihren Leistungen zu fragen. Und da sind ja Leistungen zu sehen:

das kluge Wachstums des Staatsgebildes, die Erweiterung Preußens,

die wirtschaftliche Entwicklung auf kargem Boden,

die Disziplin und Sparsamkeit (aber nicht immer und überall),

die Entfaltung der Toleranz, schwierig genug und ein dauernder Lernprozeß,  

die Offenheit für Fremde und Flüchtlinge, für Hugenotten, für Böhmen, für Salzburger z.B.,

das preußische Landrecht, in vielem ein Vorbild für andere Länder, Preußen als Motor der deutschen Einigung im 19.Jahrhundert.

— um nur einige Stichpunkte zu nennen. Und solche Leistungen sollen nicht mißachtet oder mißdeutet werden.

Aus einem einfachen Grund schon nicht: wir haben in unseren Zeiten Anschauung genug, wie Völker leiden und ins Elend gedrückt werden, wenn die, die Macht haben, korrupt sind und in die eigene Tasche wirtschaften und das Recht der Menschen mit Füßen treten. Oder um es positiv zu sagen: welche Wohltat ist es, wenn vernünftig und verantwortungsvoll regiert wird.

Im Rückblick erscheint Preußen vielen Zeitgenossen heute als ein Vorbild der Toleranz, religiöser Toleranz. Ist das nicht eine Kernfrage in unserer Welt: wie können wir miteinander leben bei so unterschiedlicher geschichtlicher, kultureller Prägung und mit so unterschiedlichen Religionen, die sich nicht  auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Die Welt wächst zusammen, vielleicht schneller, als uns liebt ist. Eine wesentliche Lernaufgabe für alle Völker und alle Religionen im 21.Jahrhundert heißt: Toleranz zu üben. Kann die Geschichte Preußens dabei helfen ?

Wer genauer zusieht und sich in die preußische Geschichte vertieft, der erkennt schnell, ein wie komplizierter, schwieriger Prozeß die Toleranzgeschichte in Preußen gewesen ist.

Es waren doch zunächst weniger religiöse Gründe als vielmehr das Staatsinteresse leitend, wenn so etwas wie Toleranz unausweichlich wurde.

Es wurden im Westen und im Osten Gebiete hinzugewonnen, deren Bevölkerung anderer Konfession war. Und es zeigte sich schnell, wie unklug es wäre, den Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens von 1555 durchzusetzen: „cuius regio, eius religio“, das Religionsbekenntnis des Fürsten solle  bestimmend sein für die Konfession der Untertanen. Aus Staatsklugheit, um den Zugewinn nicht durch folgenschwere Spannungen zu gefährden, mußte Toleranz geübt werden . Man mußte lernen, miteinander in einem Staate zu leben.

1613 trat Kurfürst Johann Sigismund zum Calvinismus über. Der galt als weltoffen und modern und hatte in westeuropäischen Staaten starken Rückhalt. Aber der Kurfürst vermochte es nicht, wollte es dann auch nicht, sein Bekenntnis für seine Untertanen verbindlich zu machen. Einfach war das nicht, Toleranz zu leben.

Und wie schnell eine „von oben“ verordnete Toleranz intolerant werden kann, zeigt das Beispiel Paul Gerhardts, des großen Liederdichters. Der wollte sich von der Obrigkeit nicht vorschreiben lassen, wie die Wahrheit des Evangeliums zu predigen sei und ließ sich 1667 lieber von seiner Stelle an der St.Nikolaikirche in Berlin vertreiben, als sich Toleranz „von oben“ verordnen zu lassen.

Sie sind Menschen, die Fürsten. Sie haben nicht alle Macht. Sie haben keine Macht über die Gewissen. Sie können nicht so tun, als könnten sie über die Wahrheit des Evangeliums bestimmen.

Ich habe nur einige Beispiele genannt, um deutlich zu machen, wie schwierig  dieser Lernprozeß gewesen ist, Toleranz zu üben. Preußen ist nicht wie von selbst „ein Vorbild religiöser Toleranz“ gewesen oder geworden. Und Friedrich des Großen Maxime, in seinem Land könne „ein jeder nach seiner Facon selig werden“, war doch auch der Ausdruck einer fragwürdigen Toleranz, einer Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage. Wo alles gleichgültig ist, da bedarf es eigentlich keiner Toleranz.

Wo die Überzeugungen, die Wahrheitsanprüche sich stoßen, da erst geht es ernsthaft um Toleranz. Und vor dieser Herausforderung stehen wir heute, gerade auch im Verhältnis der Religionen zueinander. Es wird ein langer, komplizierter Lernprozess sein.  Ich meine, die Geschichte Preußens kann uns dafür Anstöße geben.

Mit Gewalt ist auf dem Felde der Wahrheit nichts auszurichten. Mit Terror schon gar nicht. Wir Menschen sind nicht Herren über die Wahrheit. Wir können sie nur bezeugen und leben.

Amen.

 
 

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