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Die Melanchthon-Schlange - Pfr. Dr. Hermann Detering Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? - Andacht über Lk 24:5 - Pfr. Dr. Hermann Detering Heiliger Zorn - Jurij S. Hablitzel Sportler engagieren sich für Christus - von Pfr. Erko Sturm
Christ ist erstanden
Das ist unser Fest, das feiern wir heute:
das Kommen Gottes zu den Menschen, damit wir zu Gott kommen oder, besser
gesagt, zu ihm zurückkehren; damit wir den alten Menschen ablegen und
den neuen anziehen und, wie wir in Adam gestorben sind, so in Christus
leben, indem wir mit Christus geboren, gekreuzigt und begraben werden
und mit ihm wieder auferstehen. Denn diese schöne Umkehr soll ich an mir
erfahren. Wie nach dem Besseren das Traurige gekommen ist, so soll nach
dem Traurigen wieder das Bessere kommen. »Denn wo die Sünde
überschwenglich war, wurde die Gnade noch überschwenglicher.« Und wenn
der Genuß Verdammnis brachte, um wieviel mehr hat das Leiden Christi uns
Rechtfertigung verliehen. Darum laßt uns das Fest nicht weltlich feiern,
sondern göttlich, nicht irdisch, sondern überirdisch, nicht was unser
ist, sondern was dessen ist, der unser ist, vielmehr dessen, der der
Herr ist; nicht was zur Krankheit, sondern was zur Heilung dient, nicht
was zur Erschaffung, sondern was zur Neuschaffung gehört.
Sie
ziert den Siegelstempel der Melanchthon-Gemeinde und ist auf
allen amtlichen Urkunden unserer Gemeinde zu sehen: die Schlange
am Kreuz. Fleißige Kirchgänger haben sie gewiß auch schon auf
dem Glasfenster über der Eingangstür unserer Kirche entdeckt
(siehe das Logo dieser Website). Nur wenige wissen, was es mit der
„Melanchthon-Schlange“ auf sich hat. Einige fühlen sich an den Asklepius(Aesculap)stab der Apotheken erinnert, andere fragen
verwundert, wie ausgerechnet eine Schlange zum Wahrzeichen einer
christlichen Gemeinde werden konnte. Pfr. Dr. Hermann Detering Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Andacht über Lk 24:5 - Pfr. Dr. Hermann Detering
Noch
ist die Grabkammer geschlossen. Aber dann gerät der Stein in Bewegung.
Aus der Öffnung der Kammer gleißt blendendes Licht. Und nun die
Frage, die eigentlich keine Frage, sondern ein Fanfarenstoß ist: Was
sucht ihr den Lebenden bei den Toten? So können nur Engel fragen.
In einem alten christlichen Text lesen wir:
Was also ist die Auferstehung?
Sie
ist das Sichtbarwerden für immer, derer, die auferstanden sind. Sie
ist kein Phantom, sondern wahr. Es gehört sich, zu sagen, daß die Welt
ein Phantom sei, mehr (jedenfalls) als die Auferstehung, die durch
unseren Herrn, den Retter Jesus Christus, geschehen ist. Worüber
belehre ich dich jetzt? Die Lebenden werden sterben. Welch eine
Illusion! Reiche wurden arm, Könige wurden vom Stuhle gestoßen.
Alles ändert sich. Aber mit der Auferstehung verhält es sich nicht so,
denn die Wahrheit steht und das Sichtbarwerden des Existenten und der
Umschlag der Dinge in ein neues Sein. Denn die Unvergänglichkeit kommt
herab auf das Vergängliche. Das Licht fällt auf die Finsternis und
verschlingt sie.
von
Jurij S. Hablitzel
Warum ist Theologie so spannend und Kirche so langweilig? Meint die Kirche, den Gläubigen die Spannung nicht zumuten zu können? Die Diskussion der modernen Theologie und Religionswissenschaft ist in Büchern ganz lebendig. Einiges dringt sogar bis ins Fernsehen vor (z.B. 3sat-Serie „Corpus Christi“). Auch Laien beteiligen sich, so Peter Hahne, Rudolf Augstein. Theologen laufen allerdings ständig Gefahr, ihre Lehr- oder Prüfungsbefugnis zu verlieren, so Drewermann, Küng, Ranke-Heinemann, Lüdemann. Das ist ärgerlich. Für wie unmündig hält die Kirche ihre Schäfchen? Von der Freiheit eines Christenmenschen bleibt nicht viel, wenn die Kirche ihn „einnordet“. Auch Luthers Aufsatz ist eine Sache, sein kleiner Katechismus für die blöden Schäfchen eine andere. Wann endlich nimmt die Kirche zur Kenntnis, daß Laien nicht doof sind? Ich jedenfalls habe in Hamburg den Besuch einer fundamentalistischen Rüß-Predigt in St. Johannis genauso überstanden wie einen renegaten Vortrag von Gerd Lüdemann in St. Katharinen. Deren Hauptpastor Denecke traut sich was! Es heißt: „Suchet, so werdet ihr finden!“ Und nicht: Ihr müßt nicht mehr suchen, denn die Kirche hat schon alle Antworten parat. Dieser Alleinvertretungsanspruch ist ärgerlich. Die Rotte Korach läßt grüßen. Wie oft will die Kirche übrigens noch die Ahnungslose spielen und zu Scheindiskussionen einladen? Schon vor 100 Jahren hat z.B. Leo Tolstoj in „Meine Beichte“ Fragen, Ärgernisse und Erwartungen genannt. Hört die Kirche überhaupt zu, oder sollen Gläubige nur gelegentlich Dampf ablassen können, um als Kirchensteuer-zahler bei der Stange zu bleiben? Korrumpiert die Kirche Theologen? Wenn die Theologie als Wissenschaft überhaupt ernstgenommen werden will, muß sie mehr als dogmatisch sein, sonst reiht sie sich bei der Astrologie ein. Der Glaube, welcher höher sei denn alle Vernunft, wird sehr eilfertig berufen. Sind eigentlich die Theologen mit scholastischen „Trockenschwimmübungen“ zufrieden? Muß die Wahrheit die Wahrheit fürchten? Doch wohl nicht. Ich werfe den wohlbestallten Theologen vor, daß sie den „Gläubigen“ Fakten verschweigen, von denen hier nur einige genannt sein sollen. Diese sind jedem studierten Theologen bekannt. Zu den Rahmenbedingungen der Antike gehörte ein magisches, animistisches Weltbild. Die Bewertung des „Wortes“ war bis ins Mittelalter mystisch (Kabbala, Alchimie). Es gab bei Todesgefahr keine „Lehrfreiheit“. Alle möglichen Theologien und Philosopien grassierten (z.B. Zarathustra, Gnosis, Platonismus). Konkurrierende Wanderprediger verkündeten „Erleuchtungen“ aller Art; und ihre Anhänger waren sehr bemüht „nachzuweisen“, daß jeweils ihr Meister der Allertollste war. Dazu kommen noch Störgrößen durch dynastische Interessen, Priester- und Kircheninteressen, Mißverständnisse, Abschreibfehler, Fälschungen, Übersetzungsfehler, Interpretationen, freie Dichtungen, Übernahme „heidnischer“ Legenden und Kulte, willkürliche Auswahl (Kanon), politische Manipulierer, Tricks, Scharlatane und Verrückte. Hinsichtlich letzterer ist festzuhalten, daß es in der Antike keine Irrenanstalten gab. Die Krankheitsbilder von Schizophrenen, Hysterikern und Epileptikern sind zu beachten. Bedeutungsvoll ist auch das Phänomen des induzierten Irreseins. Ist Luthers Credo „sola scriptura“ wirklich eine sichere Basis? Mir fällt aus Goethes „Faust“ Mephistos Gespräch mit dem Studenten ein, der erklärt: „Denn was man schwarz auf weiß besitzt, kann man getrost nach Hause tragen.“ Ich habe redlich auch mit Fundamentalisten gesprochen. Dabei habe ich weitaus mehr Angst als erlöste Freude registriert. Ich will der heutigen Kirche nicht mehr vorwerfen, daß sie den Menschen (Höllen)-Ängste macht. Auf die furchtbare Kirchengeschichte mag ich hier gar nicht eingehen. Aber die Kirche pickt sich zeitgeistlich aus der Bibel heraus, was gefällig ist. Ich weiß nicht, wie oft ich schon Predigten über den barmherzigen Samariter gehört habe. Der verfluchte Feigenbaum, Hananias und Saphira oder der untreue Verwalter sind bei Pfarrern deutlich weniger beliebt. Ganz obsolet sind ein-deutige Rollenzuweisungen der Bibel für Frauen oder glasklare Verdammungen von Homosexuellen. Wann endlich beendet die Kirche diesen Eiertanz und gesteht ein, daß die Bibel in toto nicht Gottes Wort ist? Sie ist eine Zusammenstellung sehr unterschiedlicher Schriften, die von Menschen verfaßt wurden. Und soweit es die Evangelien betrifft, ist Stand der Wissenschaft, daß sie nicht von den Aposteln verfaßt wurden, deren Namen sie tragen. Markus könnte vielleicht eine Ausnahme sein. Eigentlich wissen das alle Theologen. Was soll dann das Theater? Die spürbare Inspiration in vielen Passagen soll nicht geleugnet werden. Das Problem ist die „Gemengelage“. Wer will sagen, was göttlich inspiriert ist und was nicht? Aber, wäre Gott in Frage gestellt, wenn die Bergpredigt tatsächlich so nicht stattgefunden hat, sondern eine redaktionelle Zusammenstellung aus der sogen. Redenquelle wäre, das Vaterunser nicht erst durch Jesus vorgebetet wurde, das Abendmahl nicht von Jesus gestiftet wurde? Und wäre Jesu Kreuzestod sinnlos, wenn er nicht als ultimativ extrapolierter Opfergedanke gelten würde? „Devotionen“, d.h. freiwillige Selbstopfer, waren in der Antike doch gängig. Paulus macht von dem Faktum der Auferstehung alles abhängig. Ist Paulus unfehlbar? Das würde Frauen und Homosexuelle wenig erfreuen. Wieviel hat Christentum überhaupt mit Jesus zu tun? Ist Christus menschgewordener Schöpfer oder ein Geschöpf menschlicher Spekulation und Sehnsuchtsprojektion? Dieses alles und noch viel mehr Ungenanntes sind ja keine satanischen Zerstörungsthesen von mir, sondern ein Kurzüberblick über den Stand der wissenschaftlichen Diskussion unter Theologen! Wie vereinbaren Pfarrer eigentlich ihre Studienerkenntnisse mit dem sonntäglichen Ritual des „apostolischen“ Glaubensbekenntnisses? Wieviel Zerrissenheit erträgt ein integerer Mensch? Frißt die Kirche die Seelen ihrer Priester? Es wundert mich nicht, daß gerade den lautersten Pfarrern in ihren Predigten das unangekränkelte Feuer Savonarolas fehlt. Aber ich nehme ihnen übel, daß sie „Gläubige“ auf infantilem Kinderbibelstand lassen und sie mit Kindergeburtstags-Events auf Kirchentagen abspeisen. Sollen sich doch die Pfaffen die Pappnasen ankleben! Da kommt schon Zorn auf. Wer sich selbstgefällig bereits im Besitz der alleinseligmachenden Wahrheit wähnt, neigt zu bornierter Ignoranz. Besser wäre es, die Kirche würde sich berufen fühlen, ernsthaft mit der Suche zu beginnen. Eine meiner Lieblingsvisionen ist ein Lehrstuhl für undogmatische Gottforschung, an dem nicht nur Theologen arbeiten, sondern auch Physiker (spez. Kosmologen), Biologen, Mediziner, Anthropologen, Religions-wissenschaftler usw. Ich hätte in dieser Wunde nicht gebohrt, wenn ich nicht wenigstens ansatzweise auf einen Weg aus dem Dilemma weisen könnte. Es gibt, Gott sei Dank, etwas Mächtigeres als eine „heilige“ Schrift. Ich spreche von der unmittelbaren Gotterfahrung. Nun bin ich beileibe kein Heiliger. Ich suche und strample, verzweifle oft, bin nach Dogma ein Sünder (nicht gar zu arg, aber häufig mit Lust). Ich höre keine Stimmen, habe keine Erscheinungen. Trotz Ringens fühle ich mich Gott leider nur gelegentlich nah. Mehr erwarte ich aber auch nicht von einem Pfarrer. Er soll ehrlich ringen und suchen. Und er soll sein theologisches Wissen unzensiert vermitteln. Märtyrer muß er nicht werden. Ein Taktieren gegenüber „Pharisäern“ sei ihm zur Existenzerhaltung zugebillig. Wie ist einem „Thomas“ Gotterkenntnis möglich? Durch Anschauung und Begreifen der Realität. Gott offenbart sich in seiner Schöpfung real, beobachtbar und gegen-wärtig. Er ist ein wahrhaft lebendiger Gott. Damit keine Mißverständnisse aufkommen, betone ich, daß ich keineswegs Gott mit der Schöpfung gleichsetze (im Sinne eines Baals). Auch folge ich nicht den Maximen des dialektischen Materialismus. Allerdings begreife ich Vernunft und Logik als Gottesgaben, deren Gebrauch gottgefällig ist. Und mit Vernunft und logischem Unterscheidungsvermögen (!) nutze ich jede Erkenntnisquelle, um zu „harten“ Fakten zu gelangen. Dazu zählen die Erkenntnisse aus der Kosmologie, Evolution, Naturwissenschaften allgemein und mit Einschränkungen auch die der Geschichte (problematisch wegen der – aus göttlicher Sicht – lächerlich kurzen Zeit der Historie). Ich stelle fest, daß die Erde nicht vor biblischen 6 tsd. Jahren in sechs Tagen fertiggestellt wurde, sondern etwa 4,5 Mrd. Jahre alt ist. Das Alter des Kosmos wird auf ca. 14 Mrd. Jahre geschätzt. Nach heutigem Stand der Wissenschaft ist davon auszugehen, daß es einen initialen „Urknall“ gegeben hat. Seit dem dehnt sich das All aus und kühlt ab. Durch diese Abkühlung konnten sich überhaupt erst Elementar-teilchen bilden, dann immer größere Atome, schließlich auch molekulare Verbindungen und schließlich (wunderbar!) Leben mit Stoffwechsel und Reproduktion (reine Definitionssache). Man kann grob in drei Phasen der Entwicklung unterscheiden. Die erste Phase ist die physikalische, die zweite die chemische und die dritte die biologische. Dabei werden die Elemente und Verbindungen immer größer und komplexer. Aus primitivsten Einzellern entstanden im Laufe von ca. 3 Mrd. Jahren Evolution höhere Lebensformen, bis hin zu menschenartigen vor ca. 2 Mio. Jahren. Der homo sapiens entwickelte sich vor etwa 50 tsd. Jahren. Bis vor ca. 10 tsd. Jahren lebte parallel dazu noch der Neandertaler. Der Mensch hat seither eine erstaunliche (wunderbare!) Entwicklung durchgemacht. Und durch den Menschen (als Instrument) entwickelt sich die Schöpfung weiter. Die Schöpfung ist nach aller Beobachtung nicht statisch abgeschlossen, sondern dynamisch offen! Gottes Wirken zeigt sich eben in dieser Schöpfung, die nicht planlos chaotisch ist, sondern eine (wunderbare!) klare Willensrichtung erkennen läßt: Vom Unbelebten zum Leben, von niederen zu immer höheren Lebensformen, zu immer größerer Vernetzung, zu immer höherer und schnellerer Intelligenz. Hierbei sind Wunder über Wunder festzustellen, wenn man nur „Augen hat, um zu sehen“. Man verdeutliche sich einmal, daß der heutige Mensch im Plasmazustand des Kosmos vor 14 Mrd. Jahren immanent war. Oder man mache sich klar, daß der Bau einer Mondrakete auch vor 50 Mio. Jahren möglich gewesen wäre. Dazu wären keine neuen extraterrestrischen Werkstoffe nötig gewesen. Was damals fehlte, war das Verständnis, d.h. der Geist (im Menschen!). Das Wunder ist aber, daß der Geist (potentiell) seit Anbeginn vorhanden war. Ein Physiker würde vielleicht das Bild eines ewigen Feldes entwerfen, daß zu gegebener Zeit Energie induziert. Oder man könnte den Vergleich mit einem Sender bemühen, der seine Botschaften seit Urzeiten ausstrahlt; aber erst wenn es einen Empfänger auf Resonanz gibt, realisiert sich im „Diesseits“ das Signal. In diesem Bild geht es also letztlich darum, sich als Mensch auf Gott „einzutunen“. So ist das Wissen seit Ewigkeit vorhanden, aber erst der Prozeß der Erkenntnis er-schließt es langsam dem Menschen. Das gilt auch für die Zivilisation, Kultur und Kunst. Woher kommt die Inspiration? Ohne (göttlichen) Genius gäbe es keine (menschlichen) Genies, die nichts weiter sind als bereit für die Inspiration, indem sie sich auf die „göttliche Wellenlänge“ einstellen. Woher kommen die Ideen? Wenn wir uns einen „Raum“ denken, der alle potentiellen Möglichkeiten enthält, dann ist es nur noch eine Frage der Definition, ihn „Himmel“ zu nennen. In diesem Zusammenhang steht ja auch der alte Universalienstreit. Ich habe im Aufsatz eines ehemaligen Bundesrichters den Satz gelesen: „Es gibt keine Gerechtigkeit; es gibt nur das Gesetz.“ Indessen gibt es nur Gesetze, eben weil es Vorstellungen von Gerechtigkeit gibt. Nach meinem Verständnis sind Wunder an der Tagesordnung. Und der Himmel ist allgegenwärtig. Im Menschen war der Wunsch zu fliegen angelegt (sonst hätte er ihn gar nicht gehabt). Die potentiellen Möglichkeit dazu war schon immer immanent vorhanden. Und so ist es dem Menschen nach 50 tsd. Jahren gelungen. Allerdings mußte er dafür „beten“. Beten verstehe ich nicht nur als wünschendes Flehen an Gott, sondern gerade auch als Aktivität im Gottvertrauen, d.h. im „Glauben“. Mit diesen Definitionen betrachten wir beispielsweise einmal die Krebsforschung. Gottes Wille ist, daß wir Krankheiten besiegen wollen/sollen (sonst kämen wir gar nicht auf die Idee, sondern würden wie Würmer simpel eingehen). Ohne schon zu wissen, wie das Ziel letztlich erreicht werden kann, haben Forscher unbedingten „Glauben“ (Gottvertrauen), daß es im „Himmel“ (im Bereich aller Möglichkeiten) eine Lösung gibt und „beten“ (arbeiten an Forschungsprojekten) dafür. Und das „Wunder“ (die Speisung unseres Seins aus der unerschöpflichen himmlischen Quelle) wird ge-schehen. Noch nie blieb ein Gebet in diesem Sinne unerhört (vgl. Jesu Formulierung „in meinem Namen“). Nun könnte man einwenden, daß ja auch Atombomben entwickelt wurden. Damit kommen wir zur Vorstellung des „Heiligen Geistes“ in Abgrenzung zu „bösen Geistern“ oder „Dämonen“. Mir hat immer sehr das mosaische Gesetz gefallen, wonach das Böcklein nicht in der Milch seiner Mutter gekocht werden soll. Daraus kann man trivial ein koscheres Kochrezept ableiten, oder man kann es so verstehen, daß etwas, das zum Guten gedacht ist, nicht ins Gegenteil verkehrt werden soll. Bleibt die Frage nach dem liebenden Gottvater und seiner individuellen Zuwendung zum einzelnen Menschen. Nach Auschwitz ist das eine sehr schwere Frage. Aber für die tröstende Seelsorge ist diese Ursehnsucht des Menschen sogar wichtiger als alle objektiven Gotteswirkungen. Das Problem ist, daß man objektiv naturgemäß nur all-gemeine Aussagen über subjektives Gotterleben machen kann. Immerhin ist zu reali-sieren, daß wir individuelle Gaben und Talente haben. Wir erleben auch ein individuelles Schicksal. Bedauerlicherweise kann ein Schicksal auch grausam sein. Wir sagen „Not lehrt beten“. Nach meinem Verständnis treibt uns Unglück zur Aktion gegen die Mißbill (d.h. zum „Gebet“) und beschert uns „himmlische Lösungen“. Ohne Krankheiten gäbe es keine medizinische und pharmazeutische Forschung. Ohne Verbrechen gäbe es keine Gesetze und Polizei dagegen. Und ohne „durchgeknallte Despoten“ hätte sich nicht die Demokratie verbreitet. Die Schöpfung ist eben noch nicht fertig! „Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden“ besagt ja wohl, daß wir noch keine himmlischen Zustände haben. Aber eben weil „das Himmelreich nahe ist“, können wir durch Gebet himmlische Gaben erhalten. Das ist doch nicht selbstverständlich. Die Möglichkeiten könnten doch auch erschöpft sein – in einer für alle Zeiten abgeschlossenen Schöpfung. Im Heiligen Geist wurde das Rote Kreuz gegründet. Und dank des Heiligen Geistes sind heute in „diesseitigen“ Krankenhäusern täglich mehr Heilungen möglich, als Jesus sie exemplarisch in seiner ganzen weltlichen Wirkungszeit vollbrachte. Und ich glaube (vertraue darauf), daß letztlich auch Tod und Leid mit himmlischem Verständnis ein Nichts sind. Um nicht den falschen Eindruck zu erwecken, daß Gottes Wirken sich nur im natur-wissenschaftlichen Bereich offenbare, verweise ich noch kurz auf das sozioökonomische Feld. Alle antiken Großreiche sind untergegangen. Eigentlich ist das heutige kapitalistische Geldraffen lächerlich. Ich könnte leicht „prophezeien“, daß auch die USA irgendwann das Zeitliche segnen werden. Gerechtigkeit und Solidarität sind „Universalien“, die ewig sind. Hingegen sind Katasterämter und Börsen lediglich zeitliche Konstrukte zum Abstecken bizarrer menschlicher „claims“. Vielleicht enthalten meine Ausführungen ja einige Denkanstöße. Ich würde mir wünschen, daß Theologie auch in der Kirche spannend wäre. Warum ist die Kirche nur so verzagt? Ich hätte diesbezüglich Lust, Luther zu zitieren. Und es ärgert mich wirklich, wenn sich viele Pastoren (in Ermangelung des Heiligen Geistes?) vorrangig als Sozialarbeiter oder Psychologen dilettieren. Wo bleibt die Spiritualität in der Kirche? Autor: Jurij S. Hablitzel, Im Lohmoor 30, D-21266 Jesteburg, Tel. (04183) 5918 Paulo Sergio / Bayern-München Mit
vollem Einsatz
Sportler engagieren sich für Christus - von Pfr. Erko Sturm
Unter
dem Titel „Mit vollem Einsatz“ ist im Hänssler-Verlag auf
Initiative der Gruppe „Sportler ruft Sportler e. V.“ eine Ausgabe
des Neuen Testaments mit Lebensberichten internationaler Spitzensportler
erschienen. Mir hat dieses Buch in der Kinder - und Jugendarbeit und
auch im Religionsunterricht schon treue Dienste erwiesen. Kinder und
Jugendliche reagierten plötzlich anders, Gespräche über Glauben und
Kirche konnten intensiver geführt werden. Ihre Idole bekennen sich
öffentlich zu Christus und geben zu Papier, dass sie sich ihr Leben
ohne Christus eigentlich nicht mehr vorstellen können. Dirk Heinen,
Torwart des Fußballbundesligisten Eintracht Frankfurt, erinnert sich im
Buch an seine Zeit bei Bayer Leverkusen und dem dortigen Bibelkreis, der
in erster Linie von den damals am Rhein spielenden Brasilianern Jorginho
und Paulo Sergio geleitet wurde. Die Profis aus Südamerika „infizierten“
einen Teil ihrer Mannschaftskameraden mit ihrer tiefen Frömmigkeit. So
kann Heinen am Ende seines Berichts das Markusevangelium zitieren: „Denn
wer Gott vertraut, dem ist alles möglich.“ (Markus 9, 23)
Besondere
Beachtung verdient auch die Vita des ehemaligen Spitzensportlers Oliver
Page. Mit 17 Jahren schon für Bayer Leverkusen in der Bundesliga aktiv,
wechselte er dann zu Dynamo Dresden, spielte noch für Rot Weiß Essen
unter dem jetzigen Trainer von Hertha BSC, Jürgen Röber. Nach dieser
Zeit beendete er seine Kariere, um in einer Freikirche eine Ausbildung
zum Pastor zu beginnen.
Auch
die Tennisspieler Michael Chang und Mary Joe Fernandez können sich ein
Leben ohne den Glauben an Christus nicht mehr vorstellen. Das hat seinen
guten Grund. Die Karriere geriet bei beiden ins Stocken und sie begannen
mit Christus ihr Leben neu zu ordnen.
Der
deutsche Golfprofi Bernhard Langer hat erst nach eindringlichem
Nachdenken über
Diese
Lebensberichte können für junge Leute anregender sein als manche
Predigt. Sie müssen dennoch ihre eigenen Erfahrungen mit Glauben und
Kirche machen. Bei Bayer Leverkusen war es der Brasilianer Jorginho, der
viele Mannschaftskameraden die Bibel neu oder wieder entdecken ließ.
Vielleicht können wir in der Gemeinde Ähnliches leisten. Die Predigt des Altbischofs Dr. Martin KruseFestgottesdienst
zum Preußenjahr in
der Evangelischen Melanchthon-Kirche in Berlin Spandau
Liebe
Gemeinde, i n der Predigt in diesem festlichen Gottesdienst möchte ich auf einige Verse aus dem Psalm zurückgreifen, den wir zu Beginn des Gottesdienstes miteinander im Wechsel gebetet haben, auf den 146.Psalm (Verse 3 -7) :„Verlaßt
euch nicht auf Fürsten, Das
ist als Beitrag zum Preußenjahr doch eine ziemlich ernüchternde
Stimme, diese Warnung, sich nicht auf Fürsten zu verlassen, als
hätten sie Zügel in der Hand und könnten die Geschichte lenken,
wie es ihnen in den Sinn kommt. Sie sind alle fehlsame Menschen. Sie
sind Kinder ihrer Zeit und treten mit ihrer Zeit ab. Der
amerikanische Präsident wird gerne als „der mächtigste Mann der
Welt bezeichnet“, an der Spitze der einzigen Großmacht, die nach
dem 2o.Jahrhundert übriggeblieben ist. Und das ist er ja auch, der
mächtigste Mann der Welt. Aber alle Macht und Technik, dieser
riesige Machtapparat, der ihm zur Verfügung steht, hat diese
unheimlichen Anschläge nicht aufdecken und verhindern können: Der
mächtigste Mann steht plötzlich so unglaublich ohnmächtig da. Er
ist auch nur ein Mensch ! Wir sind gewohnt, in der Geschichte – auch in der Geschichte Preußens – nach den grossen Gestalten und ihren Leistungen zu fragen. Und da sind ja Leistungen zu sehen: das kluge Wachstums des Staatsgebildes, die Erweiterung Preußens, die wirtschaftliche Entwicklung auf kargem Boden, die Disziplin und Sparsamkeit (aber nicht immer und überall), die Entfaltung der Toleranz, schwierig genug und ein dauernder Lernprozeß, die Offenheit für Fremde und Flüchtlinge, für Hugenotten, für Böhmen, für Salzburger z.B., das preußische Landrecht, in vielem ein Vorbild für
andere Länder, Preußen als Motor der deutschen Einigung im
19.Jahrhundert. —
um nur einige Stichpunkte zu nennen. Und solche Leistungen sollen
nicht mißachtet oder mißdeutet werden. Aus
einem einfachen Grund schon nicht: wir haben in unseren Zeiten
Anschauung genug, wie Völker leiden und ins Elend gedrückt werden,
wenn die, die Macht haben, korrupt sind und in die eigene Tasche
wirtschaften und das Recht der Menschen mit Füßen treten. Oder um
es positiv zu sagen: welche Wohltat ist es, wenn vernünftig und
verantwortungsvoll regiert wird. Im
Rückblick erscheint Preußen vielen Zeitgenossen heute als ein
Vorbild der Toleranz, religiöser Toleranz. Ist das nicht eine
Kernfrage in unserer Welt: wie können wir miteinander leben bei so
unterschiedlicher geschichtlicher, kultureller Prägung und mit so
unterschiedlichen Religionen, die sich nicht
auf einen gemeinsamen Nenner bringen lassen. Die Welt wächst
zusammen, vielleicht schneller, als uns liebt ist. Eine wesentliche
Lernaufgabe für alle Völker und alle Religionen im 21.Jahrhundert
heißt: Toleranz zu üben. Kann die Geschichte Preußens dabei
helfen ? Wer
genauer zusieht und sich in die preußische Geschichte vertieft, der
erkennt schnell, ein wie komplizierter, schwieriger Prozeß die
Toleranzgeschichte in Preußen gewesen ist. Es
waren doch zunächst weniger religiöse Gründe als vielmehr das
Staatsinteresse leitend, wenn so etwas wie Toleranz unausweichlich
wurde. Es
wurden im Westen und im Osten Gebiete hinzugewonnen, deren
Bevölkerung anderer Konfession war. Und es zeigte sich schnell, wie
unklug es wäre, den Grundsatz des Augsburger Religionsfriedens von
1555 durchzusetzen: „cuius regio, eius religio“, das
Religionsbekenntnis des Fürsten solle
bestimmend sein für die Konfession der Untertanen. Aus
Staatsklugheit, um den Zugewinn nicht durch folgenschwere Spannungen
zu gefährden, mußte Toleranz geübt werden . Man mußte lernen,
miteinander in einem Staate zu leben. 1613
trat Kurfürst Johann Sigismund zum Calvinismus über. Der galt als
weltoffen und modern und hatte in westeuropäischen Staaten starken
Rückhalt. Aber der Kurfürst vermochte es nicht, wollte es dann
auch nicht, sein Bekenntnis für seine Untertanen verbindlich zu
machen. Einfach war das nicht, Toleranz zu leben. Und
wie schnell eine „von oben“ verordnete Toleranz intolerant
werden kann, zeigt das Beispiel Paul Gerhardts, des großen
Liederdichters. Der wollte sich von der Obrigkeit nicht vorschreiben
lassen, wie die Wahrheit des Evangeliums zu predigen sei und ließ
sich 1667 lieber von seiner Stelle an der St.Nikolaikirche in Berlin
vertreiben, als sich Toleranz „von oben“ verordnen zu lassen. Sie
sind Menschen, die Fürsten. Sie haben nicht alle Macht. Sie haben
keine Macht über die Gewissen. Sie können nicht so tun, als
könnten sie über die Wahrheit des Evangeliums bestimmen. Ich
habe nur einige Beispiele genannt, um deutlich zu machen, wie
schwierig
dieser Lernprozeß gewesen ist, Toleranz zu üben. Preußen
ist nicht wie von selbst „ein Vorbild religiöser Toleranz“
gewesen oder geworden. Und Friedrich des Großen Maxime, in seinem
Land könne „ein jeder nach seiner Facon selig werden“, war doch
auch der Ausdruck einer fragwürdigen Toleranz, einer
Gleichgültigkeit gegenüber der Wahrheitsfrage. Wo alles
gleichgültig ist, da bedarf es eigentlich keiner Toleranz. Wo die Überzeugungen, die Wahrheitsanprüche sich stoßen, da erst geht es ernsthaft um Toleranz. Und vor dieser Herausforderung stehen wir heute, gerade auch im Verhältnis der Religionen zueinander. Es wird ein langer, komplizierter Lernprozess sein. Ich meine, die Geschichte Preußens kann uns dafür Anstöße geben. Mit Gewalt ist auf dem Felde der Wahrheit nichts auszurichten. Mit Terror schon gar nicht. Wir Menschen sind nicht Herren über die Wahrheit. Wir können sie nur bezeugen und leben. Amen. |
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